Das Viertel Arashiyama in Kyoto

Wir hatten für unsere drei Tage in Kyoto extra die Rollen getauscht: Ich war planungsmüde und wollte einmal Touristin sein, die sich einfach führen lässt, also durfte Nico das Programm zusammenstellen. Ausgerechnet an unserem Arashiyama-Tag schüttete es dann wie aus Eimern. Zum Glück leihen die meisten guten Hotels in Japan große Regenschirme kostenlos aus – nicht die kleinen Dinger, unter denen man trotzdem nass wird, sondern richtig große. Damit ausgestattet ging es mit der Metro Richtung Nordwesten, zu einem der schönsten Tage unserer ganzen Japan-Reise. Der Regen hat sich am Ende sogar als Glücksfall herausgestellt, aber dazu später mehr.

Arashiyama Park in Norden von Kyoto

Arashiyama auf einen Blick

📍 Region: Nordwesten Kyotos, am Ōi-Fluss
🏛️ Perfekt für: Naturfreunde, Fotografen, Tempel-Fans, alle die dem Trubel der Innenstadt entkommen wollen
Empfohlene Aufenthaltsdauer: Ein ganzer Tag für die komplette Runde inklusive der abgelegeneren Tempel
🚗 Fortbewegung/Anreise: JR Sagano-Linie oder Keifuku-Straßenbahn (Randen) ab Kyoto, vor Ort zu Fuß
💰 Preisniveau: Günstig, die meisten Tempel kosten zwischen 300 und 800 Yen
☀️ Beste Reisezeit: Kirschblüte im Frühling, Herbstlaub im November – aber auch ein Regentag hat seinen Reiz

1. Was ist Arashiyama?

Arashiyama, wörtlich „Sturmberg“, liegt am Ōi-Fluss und ist von bewaldeten Hügeln umgeben. Schon seit der Heian-Zeit (794–1185) zog es Kaiser und Adlige zur Erholung hierher, heute ist das Viertel eines der meistbesuchten Ausflugsziele Kyotos. Was uns überrascht hat: Direkt neben den vollen Hauptwegen liegen ruhige Seitenstraßen, in denen man innerhalb weniger hundert Meter fast allein unterwegs ist – genau diesen Kontrast wollen wir dir mit dieser Tour zeigen.

Seiryu Ji Tempel in Arashiyama

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2. Wie kommst du nach Arashiyama?

Mit dem Zug – Ab Kyoto Hauptbahnhof mit der JR Sagano-Linie (auch JR San’in Main Line) bis Saga-Arashiyama, Fahrzeit rund 17 Minuten, Preis etwa 240 Yen.

Mit der Straßenbahn – Die Keifuku Electric Railroad (Randen) bringt dich ab Shijo-Omiya in rund 22 Minuten zur Endstation Arashiyama, Einzelfahrt etwa 220 Yen. Für mehrere Fahrten am selben Tag lohnt sich der Tagespass für 500 Yen.

Mit dem Bus – Mehrere Linien, unter anderem 28, 11 und 93, verbinden die Innenstadt mit Arashiyama.

Mit Taxi oder Fahrrad – Für mehr Flexibilität, das Taxi ist dabei die teuerste Option.

Absolutes Highlight in Arashiyama: der Otagi Nenbutsu Tempel

3. Die Tour: Zu Fuß durch Arashiyama

Die Togetsu-kyo-Brücke

Die „Brücke zur Mondüberquerung“ ist Arashiyamas bekanntestes Wahrzeichen, ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert, die heutige Holzkonstruktion stammt von 1934. Schon direkt am Bahnhof beim Aussteigen siehst du sie über den Fluss führen, mit den grünen Hügeln im Hintergrund – ein toller erster Eindruck, selbst bei dem Regenwetter, das wir hatten.

Der Arashiyama Park (Kameyama Park)

Hinter der Brücke teilt sich der Weg: Eine belebte Straße mit Souvenirständen und Schreinen auf der einen Seite, der deutlich ruhigere Arashiyama Park auf der anderen. Wir haben uns für den Park entschieden und es nicht bereut – während drüben Gedränge herrschte, waren wir hier fast allein unterwegs, mit Blick auf Kirsch- und Ahornbäume und, vom Kameyama-Koenchi-Aussichtspunkt aus, auf den Hozu-Fluss und die traditionellen Hozugawa-Kudari-Boote.

  • Eintritt: frei, durchgehend zugänglich

Der Bambuswald von Arashiyama

Der berühmteste Ort des Viertels ist im Grunde nur ein rund 500 Meter kurzer Weg durch dichten, bis zu 20 Meter hohen Bambus – „Wald“ ist hier fast übertrieben, aber die Wirkung des gefilterten, grünen Lichts ist trotzdem einzigartig. Genau deshalb ist es hier auch fast immer voll.

Unser Tipp aus eigener Erfahrung: Komm entweder sehr früh oder nimm bewusst einen Tag mit schlechtem Wetter, so wie wir. Der Regen hat einen Großteil der Tagesausflügler ferngehalten, und wir konnten uns zwischen den Schauern in Ruhe fotografisch austoben. Am Ende des Pfads erreichst du den Hintereingang des Tenryu-ji, über den du allerdings nur in den Garten kommst – für Haupthalle und Gebäude brauchst du den Haupteingang auf der anderen Seite.
Eintritt: frei, durchgehend zugänglich

Tenryu-ji-Tempel

Einer der bedeutendsten Zen-Tempel Kyotos, 1339 von Ashikaga Takauji gegründet und seit 1994 UNESCO-Weltkulturerbe. Der Sogenchi-Teien-Garten, angelegt vom berühmten Zen-Meister Muso Soseki, hat sein Design aus dem 14. Jahrhundert bis heute bewahrt – die Gebäude selbst stammen größtenteils aus dem 19. Jahrhundert, nachdem frühere Bauten mehrfach Feuer und Kriegen zum Opfer gefallen waren.

Wir haben uns für den reinen Garten-Zugang entschieden und den Tempel von außen bewundert – für einen Regentag mit vollem Programm genau richtig. Übrigens eine kleine Faustregel, die uns hier geholfen hat: Alles, was „-ji“ oder Tempel heißt, gehört zum Buddhismus, alles was Schrein oder „-jinja“/“-taisha“ heißt, zum Shintoismus. Nicht immer eindeutig auf Karten, aber ein guter Anhaltspunkt.

  • Eintritt: Garten 500 Yen, Garten und Gebäude 800 Yen
  • Öffnungszeiten: 8:30–17:30 Uhr (Oktober bis März bis 17 Uhr)

Am Hintereingang vorbei, die nächste Kreuzung links über die Bahnschienen, findest du rechts einen zweiten, kleineren Bambuswald – weniger spektakulär, aber deutlich ruhiger für Fotos. Danach links, gleich wieder rechts, an der nächsten Kreuzung ohne Sackgasse links, und du läufst direkt auf den Jojakko-ji-Tempel zu.

Jojakko-ji-Tempel

Ein weniger bekannter Tempel an den Hängen des Bergs Ogura, 1596 gegründet und der Nichiren-Sekte des Buddhismus zugehörig. Haupthalle und zweistöckige Pagode fügen sich zwischen moosbedeckten Wegen harmonisch in den Wald ein.

  • Eintritt: 500 Yen
  • Öffnungszeiten: 9–17 Uhr

Nison-in-Tempel

Nur wenige Schritte von Jojakko-ji entfernt, im 9. Jahrhundert gegründet und benannt nach den beiden Statuen von Shaka Nyorai und Amida Nyorai, die hier verehrt werden. Die lange, von Ahornbäumen gesäumte Allee zum Eingang ist im Herbst besonders eindrucksvoll.

  • Eintritt: 500 Yen
  • Öffnungszeiten: 9–16:30 Uhr

Vor dem Eingang rechts abbiegen, dann links auf die größere Saga-Toriimoto-Straße, die immer weiter nordwärts führt.

Saga-Toriimoto Preserved Street

Eine historische, einst als Pilgerweg genutzte Straße mit restaurierten Machiya-Häusern, die heute teils als Museum, Teehaus oder Souvenirladen dienen. Genau hier haben wir erlebt, wie schnell Arashiyama seinen Trubel verliert: Je weiter wir vom Bambuswald wegkamen, desto leerer wurde es, bis wir irgendwann ganz allein unterwegs waren – trotz strömenden Regens ein schöner, ruhiger Spaziergang durch ein aufwendig saniertes Stück altes Kyoto.

Otagi Nenbutsu-ji-Tempel

Dieser Tempel war Nicos Überraschung für mich – er hatte ihn extra herausgesucht, ohne mir vorher zu verraten, wohin wir eigentlich liefen. Und er hatte recht: Otagi Nenbutsu-ji ist klein, abgelegen, und einer unserer liebsten Orte in ganz Japan.

Der Tempel wurde 766 im Osten Kyotos gegründet, durch Hochwasser des Kamo-Flusses mehrfach beschädigt und im 10. Jahrhundert wiederaufgebaut. 1922 wurde er an seinen heutigen Standort in Arashiyama verlegt, um ihn vor weiteren Überschwemmungen zu schützen. Sein heutiges Gesicht bekam der Tempel aber erst später: Ab 1955 leitete der Bildhauer-Priester Kōchō Nishimura die Wiederbelebung, und zwischen 1981 und 1991 luden er und seine Nachfolger Laien aus ganz Japan ein, jeweils eine eigene Rakan-Statue zu schnitzen. So entstanden die heute rund 1.200 Figuren, von denen keine der anderen gleicht – manche lächeln, manche meditieren, manche spielen Musikinstrumente oder, wie eine unserer Lieblingsfiguren, Tennis.

Wir haben uns viel Zeit genommen, um zwischen den moosbedeckten Statuen zu stöbern, begleitet nur vom Rauschen eines Bachs und, an diesem Tag, vom Regen. Kaum ein anderer Besucher war da – die Atmosphäre war fast magisch.

  • Eintritt: 300 Yen
  • Öffnungszeiten: 8–17 Uhr

Seiryo-ji-Tempel

Auf dem Rückweg sind wir eher zufällig auf das riesige Eingangstor von Seiryo-ji (auch Saga Shakado genannt) gestoßen und mussten natürlich abbiegen. Gegründet im frühen 10. Jahrhundert, beherbergt der Tempel mit der Shaka-Nyorai-Statue eine der ältesten Holzstatuen Japans – aus Sandelholz geschnitzt und 985 aus China nach Japan gebracht, gilt sie als Nationalschatz.

  • Eintritt: frei (Sonderausstellungen können extra kosten)
  • Öffnungszeiten: 9–16 Uhr

Durch das große Tor gelangst du zurück auf die belebte Hauptstraße mit Restaurants und Läden, die dich direkt zur Togetsu-kyo-Brücke zurückbringt.

Kulinarischer Abschluss

Für den Ausklang lohnen sich gleich mehrere Stopps: Arashiyama Yoshimura direkt an der Brücke ist bekannt für handgemachte Soba-Nudeln und den Blick auf Fluss und Berge – dafür nimmst du an belebten Tagen auch mal eine Stunde Wartezeit in Kauf. An den Straßenständen der Hauptstraße gibt es Mitarashi Dango (Reisknödel in süßer Sojasauce) und Korokke zum Mitnehmen.

Nahe der Randen-Endstation Arashiyama lohnt sich außerdem ein Abstecher zum Kimono Forest: rund 600 zwei Meter hohe, mit traditionellem Kyo-Yuzen-Kimonostoff ummantelte Säulen, die abends beleuchtet werden. Kostenlos zugänglich und ein schönes, ruhiges Fotomotiv abseits des Bambuswald-Trubels, direkt neben einem kleinen Fußbad zum Ausruhen. Bei allen Ständen und kleinen Restaurants gilt: Bargeld mitbringen, viele Küchen schließen bereits gegen 18 Uhr, und bei den bekannteren Restaurants lohnt sich eine Reservierung.


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Fazit

Ein Tag in Arashiyama ist mehr als der Bambuswald, für den die meisten herkommen – die eigentliche Belohnung liegt in den ruhigeren Ecken dahinter: dem stillen Park hinter der Brücke, der einsamen Straße zu Otagi Nenbutsu-ji, dem zufällig entdeckten Tor von Seiryo-ji. Selbst unser Regentag konnte der Stimmung nichts anhaben, im Gegenteil: Er hat den Bambuswald leerer gemacht und uns einen der schönsten Tage unserer ganzen Japan-Reise beschert. Nimm dir also ruhig einen ganzen Tag Zeit, leih dir im Zweifel einen großen Regenschirm, und lass dich auch von schlechtem Wetter nicht von den versteckten Ecken abhalten.

Das Arashiyama Viertel im Norden Kyotos

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Häufig gestellte Fragen zum Arashiyama Viertel

Ist der Bambuswald von Arashiyama kostenlos zugänglich?

Ja, der Weg durch den Bambuswald ist frei und rund um die Uhr begehbar, ein Ticket brauchst du nicht. Nur wenn du von dort aus in die Tempelanlagen wie Tenryu-ji weitergehst, wird an deren Eingang Eintritt fällig.

Wie viel Zeit sollte ich für Arashiyama einplanen?

Für den Bambuswald, die Togetsu-kyo-Brücke und einen Tempel reichen 3 bis 4 Stunden. Wenn du wie wir auch die ruhigeren Ecken wie Otagi Nenbutsu-ji oder die Saga-Toriimoto Preserved Street mitnehmen willst, solltest du einen ganzen Tag einplanen – dafür bekommst du aber auch die Seite von Arashiyama zu sehen, die die meisten Tagesausflügler verpassen.

Lohnt sich ein Besuch in Arashiyama auch bei Regen?

Aus eigener Erfahrung ganz klar ja. Der Regen hat bei unserem Besuch einen Großteil der Tagesausflügler ferngehalten, sodass wir den sonst überfüllten Bambuswald fast für uns allein hatten. Mit einem großen Regenschirm, den viele Hotels in Japan kostenlos verleihen, lässt sich der Tag genauso genießen wie bei Sonnenschein – Tempel und Gärten wirken im Regen sogar noch stimmungsvoller.

Was ist die beste Reisezeit für Arashiyama?

Am bekanntesten ist Arashiyama zur Kirschblüte im Frühling und beim Herbstlaub im November, dann ist aber auch entsprechend viel los. Wer es ruhiger mag, kommt außerhalb dieser Saisons oder weicht, so wie wir, auf einen Wochentag mit schlechterem Wetter aus.


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Nico & Katja


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