Essen & Trinken in China
Unsere Erfahrungen mit der Landesküche
„Typische Speisen & Getränke, die ihr in China findet.“
Wie schmeckt das Essen in China?
Zweimal waren wir bisher in China, mit zehn Jahren Abstand und einem komplett unterschiedlichen Reisestil dazwischen. 2015 eine 17-tägige Pauschalreise mit straffem Programm von Shanghai über eine Jangtse-Kreuzfahrt und Chongqing bis nach Lhasa, Xi’an und Peking. 2025 dann 30 Tage auf eigene Faust, diesmal mit klarem Schwerpunkt im Südwesten: Chengdu, Chongqing, Zhangjiajie, Fenghuang, Guilin, Yangshuo und zum Abschluss Hongkong. Kulinarisch könnten die beiden Reisen kaum unterschiedlicher ausgefallen sein, und genau das prägt auch diesen Artikel.
Dass Sichuan-Küche eine andere Kategorie Schärfe ist als alles, was wir vorher aus Thailand oder Malaysia kannten, war uns bewusst, bevor wir losgeflogen sind. Wie sehr uns die Kombination aus Chili und dem betäubenden Sichuanpfeffer trotzdem überraschen würde, nicht. Dan Dan Nudeln in Chengdu waren das Gericht, bei dem wir uns am ehesten vorstellen konnten, sie jeden Tag zu essen – scharf, ölig, und trotzdem so, dass man nach der ersten Schüssel gleich Lust auf die nächste hatte.
Überrascht hat uns am Ende aber weniger das Essen selbst als die Art, wie in China gegessen wird. Man bestellt so gut wie nie nur für sich, sondern mehrere Gerichte für den ganzen Tisch, aus denen sich alle gemeinsam bedienen. Das klingt zunächst nach geselligem Essen, führt aber gleichzeitig zu einer Menge Lebensmittelverschwendung, weil ständig mehr auf den Tisch kommt, als überhaupt gegessen werden kann. Dazu kommt eine Tischsitte, die uns richtig aus der Fassung gebracht hat: Wer seinen Teller komplett leer isst, gilt in China als jemand, dem nicht genug serviert wurde – eine kleine Beleidigung für den Gastgeber. Wir haben Tische mit sechs, sieben, acht bestellten Gerichten für zwei Personen gesehen, von denen am Ende die Hälfte oder mehr unangetastet zurückging, einfach aus Prinzip.
Regionale Unterschiede gibt es in einem Land dieser Größe natürlich reichlich, unser eigener Fokus lag aber ziemlich klar auf Sichuan und Chongqing. Dort haben wir 2025 die meiste Zeit verbracht, und dort hat Essen für uns tatsächlich eine zentrale Rolle gespielt. In Zhangjiajie, Fenghuang, Guilin, Yangshuo und Hongkong ging es kulinarisch entspannter zu, ohne dass wir dort gezielt nach Spezialitäten gesucht hätten. Und 2015, auf der Pauschalreise durch Shanghai, Lhasa, Xi’an und Peking, war Essen für uns ehrlich gesagt eher Beiwerk zum durchgetakteten Besichtigungsprogramm.
Beim Fleisch sind wir eh immer vorsichtig. In vielen klassischen Fleischgerichten sind Fett, Knorpel und Knochen ganz selbstverständlich mit dabei – für unseren Geschmack nicht die angenehmste Art, Fleisch zu essen. Wir haben deshalb häufiger zu vegetarischen Gerichten oder solchen mit Hackfleisch gegriffen, bei denen dieses Problem gar nicht erst auftaucht.
Preislich würden wir China als überraschend günstig einordnen, mit Hongkong als klarer Ausnahme nach oben.
In diesem Artikel nehmen wir dich mit durch das, was wir in China tatsächlich gegessen haben, durch unsere Beobachtungen zur chinesischen Tischkultur, durch die Getränke, die uns begleitet haben, und durch die praktischen Dinge, die uns beim Essen zwischen Chengdu und Hongkong aufgefallen sind.

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Die Küche Chinas auf einen Blick
Die chinesische Küche in einem Kapitel zusammenzufassen, ist eigentlich unmöglich – dafür ist das Land zu groß und die Traditionen zu unterschiedlich. Klassischerweise unterscheidet man acht große Regionalküchen, von der milden, auf Frische setzenden Kantonküche im Südosten bis zur feurigen Sichuan- und Hunan-Küche im Westen. Als grobe Faustregel gilt: Im Norden, wo Weizen wächst, dominieren Nudeln und gedämpfte Brötchen, im reisanbauenden Süden bestimmt Reis die Mahlzeiten.
Für uns persönlich war die Sichuan-Küche rund um Chengdu und Chongqing die prägendste Erfahrung, einfach weil wir dort die meiste Zeit verbracht und am bewusstesten gegessen haben. Typisch dafür ist die Kombination aus scharfem Chili und Sichuanpfeffer, der auf der Zunge ein charakteristisches Kribbeln bis leichtes Taubheitsgefühl auslöst – die berühmte „mala“-Schärfe, die es in dieser Form in keiner anderen Küche gibt. Wer Sichuan-Restaurants bisher nur aus Deutschland kennt, wird vor Ort meist überrascht sein, wie viel intensiver das Original ausfällt.
Feste Essenszeiten wie bei uns gibt es in China durchaus, anders als in vielen Ländern Südostasiens mit ihrer rund um die Uhr verfügbaren Streetfood-Kultur. Frühstück fällt oft herzhaft aus, mit Reisbrei, gedämpften Teigtaschen oder Sojamilch, Mittag- und Abendessen sind die eigentlichen Hauptmahlzeiten.
Mindestens genauso sehr wie das Essen selbst hat uns geprägt, wie in China gegessen wird. An einem chinesischen Tisch bestellt praktisch niemand nur für sich, die ganze Runde teilt sich mehrere Gerichte, die in der Mitte stehen und mit den Stäbchen direkt daraus gegessen werden. Als Faustregel gilt: Bei zwei Personen reichen drei bis vier Gerichte plus Reis völlig aus, die Portionen sind auf Teilen ausgelegt und entsprechend groß. Trotzdem haben wir immer wieder Tische gesehen, die mit deutlich mehr vollgestellt wurden, als jemals gegessen werden konnte – ein Pärchen am Nebentisch mit sechs, sieben oder acht bestellten Gerichten war keine Seltenheit, und am Ende gingen davon regelmäßig halb- bis dreiviertelvolle Platten zurück in die Küche. Aus unserer Sicht eine ordentliche Portion Lebensmittelverschwendung, die aber offenbar zum Prinzip dazugehört: viele verschiedene Gerichte gemeinsam zu probieren zählt mehr, als am Ende alles aufzuessen.
Dazu kommt eine Tischsitte, die für uns anfangs schwer nachvollziehbar war: In China lässt man bewusst einen Rest auf dem Teller. Wer komplett leer isst, signalisiert damit, dass nicht genug bestellt wurde – was tatsächlich als kleine Beleidigung gegenüber dem Gastgeber gelten kann. Etwas übrig zu lassen ist also keine Unhöflichkeit, sondern eher das Gegenteil davon.
Und dann sind da noch die Tischmanieren beim Essen selbst. Knorpel, Knochen und Gräten landen in China ganz selbstverständlich direkt neben dem Teller auf dem Tisch, statt diskret am Tellerrand gesammelt zu werden. Wir waren beim ersten Mal ziemlich überrascht, wie ein Tisch nach einem gemeinsamen Essen aussehen kann – für uns ungewohnt, in China aber völlig normal und niemandem unangenehm. Andere Kultur, andere Sitten.

Die typischen Gerichte in China
🍜 Dan Dan Nudeln
Dan Dan Mian sind Weizennudeln in einer scharfen, öligen Sauce aus Chiliöl, Sichuanpfeffer, fermentiertem Gemüse und meist etwas Hackfleisch obendrauf. Ursprünglich ein Straßenverkäufer-Gericht aus Chengdu, benannt nach der Tragestange (dan dan), an der Händler die Zutaten früher durch die Straßen trugen.
Wir haben Dan Dan Nudeln sowohl in Chengdu als auch in Chongqing gegessen und uns dabei jedes Mal neu gewundert, wie viel Öl und Schärfe in einer eigentlich kleinen Portion stecken kann. Für uns war das mit Abstand das Gericht der Reise – intensiv, aber genau die Art von intensiv, die uns liegt. Wer mit Schärfe weniger kann, sollte hier vorsichtig anfangen: Selbst wer sonst gut klarkommt, kann bei Sichuan-Schärfe an seine Grenzen stoßen, die Küche der Provinz gilt zu Recht als eine der schärfsten des Landes.


🍲 Hot Pot (Huoguo)
Ein am Tisch selbst zubereiteter Feuertopf: In einer brodelnden Brühe aus Chili, Sichuanpfeffer und Fett – oft geteilt in eine scharfe und eine milde Hälfte, den sogenannten Yuanyang-Topf – werden rohes Fleisch, Gemüse, Tofu und Nudeln gegart, sobald sie am Tisch ankommen. Ursprünglich ein Gericht armer Fischer am Jangtse, heute Chongqings kulinarisches Aushängeschild.
Hot Pot in Chongqing war für uns eine der geselligsten Arten zu essen, die wir aus China mitgenommen haben – man sitzt eine ganze Weile zusammen, taucht immer wieder neues Gemüse und Fleisch in den Sud und redet dabei nebenbei. Beim Fleisch sind wir vorsichtig geblieben und haben uns eher an Gemüse, Tofu und ausgewählte, magere Fleischstücke gehalten, weil im Hot Pot gerne auch Innereien, Fett und Knorpel mitschwimmen, die nicht unser Fall sind.
🌶️ Scharfe Bohnen mit Knoblauch
Grüne Bohnen, scharf angebraten und mit reichlich Knoblauch gewürzt. Ein Gericht, das in China unter wechselnden Namen auf so gut wie jeder Speisekarte auftaucht.
Wir haben diese Bohnen so oft bestellt, dass sie fast zu unserem Standardgericht wurden, wenn wir zwischen den ganzen Fleisch- und Hot-Pot-Erlebnissen eine vegetarische Option brauchten. Der Knoblauch dominiert dabei angenehm, die Schärfe hält sich meist in einem Rahmen, der auch für schärfe-empfindlichere Esser funktioniert.
🫑 Gefüllte Paprikaschoten
Kleine, milde Paprikaschoten, gefüllt meist mit Hackfleisch oder einer Hackfleisch-Tofu-Mischung, gebraten oder gedämpft und mit einer leicht würzigen Sauce serviert.
Gefühlt hatten wir bei fast jeder Restaurantbestellung mindestens eine Portion gefüllte Paprikaschoten mit auf dem Tisch, meistens ganz bewusst, weil sie genau in unser Beuteschema aus Gemüse und Hackfleisch statt Fett und Knochen passten.

🥒 Sauer-scharf eingelegte Bohnen mit Hackfleisch
Lange grüne Bohnen, die eingelegt und dadurch sauer-scharf fermentiert werden, anschließend zusammen mit Hackfleisch scharf angebraten – ein Klassiker vor allem der Sichuan-Küche.
Dieses Gericht gehörte für uns zu den echten Überraschungen der Reise. Die Kombination aus der milden Säure der eingelegten Bohnen und der Schärfe des Hackfleisches kannten wir vorher überhaupt nicht. Wir haben es aber leider nur zweimal auf der Reise gefunden.

🪷 Lotuswurzel und Lotusblätter

Die Wurzel der Lotuspflanze wird in China gerne in Scheiben geschnitten, angebraten oder in Suppen gekocht und bleibt dabei angenehm knackig. Lotusblätter werden auch gegessen, zum Beipsiel als frischer knackiger Salat. Vor allem die knackige Textur der Lotuswurzel hat uns überzeugt – ein Gemüse, das wir aus Deutschland so gar nicht kennen und das geschmacklich neutraler ist, als man beim ersten Anblick vermuten würde.
🥟 Jiaozi & Baozi
Jiaozi sind gefüllte, meist gekochte oder gebratene Teigtaschen, Baozi ihre gedämpfte, etwas fluffigere Variante – beide mit Fleisch- oder Gemüsefüllung, an praktisch jeder Straßenecke erhältlich.
Dumplings waren unser verlässlicher Snack für zwischendurch, ob morgens zum Frühstück oder als kleine Stärkung zwischen zwei Sehenswürdigkeiten.
🥟 Teigtaschenbankett aus Xi’an
Xi’an ist für sein Jiaozi Yan bekannt, ein mehrgängiges Bankett, bei dem ausschließlich Teigtaschen serviert werden – aber eben nicht einfach zwölfmal dieselbe. Jede Teigtasche wird in der Form dessen geknetet, womit sie gefüllt ist, ein kleines Handwerksstück für sich.
Bei uns waren es 2015 zwölf verschiedene Teigtaschen nacheinander, und die kunstvolle Form war fast das Auffälligste daran: eine in Gestalt eines Schweins, eine als Huhn, eine sogar als kleiner Oktopus mit angedeuteten Tentakeln. Geschmacklich ging es entsprechend durch, von deftig bis leicht süßlich, aber im Kopf geblieben ist uns vor allem die Optik – ein Gericht, bei dem man erst mal fotografieren will, bevor man überhaupt zugreift.
🦆 Pekingente
Knusprig gebratenes Entenfleisch, hauchdünn aufgeschnitten und traditionell tischseitig serviert, dazu kleine Weizenpfannkuchen, Frühlingszwiebeln, Gurkenstreifen und eine süßlich-salzige Sauce zum Selberrollen.
Pekingente in Peking zu essen, war für uns 2015 einer der kulinarischen Fixpunkte der ganzen Reise. Die Kombination aus knuspriger Haut, der frischen Gurke und der Sauce im warmen Pfannkuchen hat auf Anhieb funktioniert, ganz ohne Gewöhnung wie bei manch scharfem Sichuan-Gericht später. Ein Klassiker, der seinen Ruf zu Recht hat.
🥩 Fleisch in China: eine Sache für sich
In China ist es völlig normal, dass in einem Fleischgericht Fett, Knorpel und Knochen ganz selbstverständlich mit auf dem Teller landen – für die einheimische Küche ein fester Bestandteil, für unseren Geschmack eher nicht. Wir sind deshalb bei der Wahl unserer Gerichte in China wählerischer gewesen als in anderen Ländern und haben öfter zu vegetarischen Optionen oder zu Gerichten mit Hackfleisch gegriffen, wo dieses Problem erst gar nicht auftaucht. Wer selbst nicht ganz so wählerisch ist, bekommt dafür eine enorme Bandbreite an Fleischgerichten, bei denen buchstäblich jeder Teil des Tieres verwertet wird.

Weitere chinesische Klassiker, die wir nicht probiert haben
Neben unseren eigenen Favoriten stehen auf chinesischen Speisekarten natürlich noch unzählige weitere Klassiker, die wir selbst nicht probiert haben, aber kurz einordnen wollen, weil sie zu den Regionen unserer Reise gehören. Shanghai ist für seine Xiaolongbao bekannt, kleine, mit heißer Brühe gefüllte Teigtaschen, die man vorsichtig anbeißen muss, um sich nicht zu verbrühen. Xi’an ist berühmt für seine Biang-Biang-Nudeln, breite, handgezogene Nudeln, die ihren lautmalerischen Namen dem Geräusch beim Ziehen des Teigs verdanken, dazu die deftigen Lammnudelsuppen der muslimischen Altstadt. In Guilin und Yangshuo, wo wir zwar waren, uns kulinarisch aber nicht gezielt umgeschaut haben, gelten Guilin-Reisnudeln und der in Bier geschmorte Yangshuo-Bierfisch als die Spezialitäten der Region. Hongkong wiederum steht für Dim Sum, die kantonesische Tradition kleiner, gedämpfter oder frittierter Häppchen, die in großer Auswahl gemeinsam bestellt werden. Und in Lhasa, wo wir 2015 durchgereist sind, hätten wir eigentlich tibetischen Buttertee und Tsampa probieren können – haben wir auf der damaligen Pauschalreise aber schlicht verpasst.
Typische Getränke in China
🍵 Tee
Tee war das Getränk, das uns durch beide China-Reisen begleitet hat, meist ganz automatisch: In vielen Restaurants wird zum Essen einfach eine Kanne heißer Tee auf den Tisch gestellt, ohne dass man ihn extra bestellen muss. Welche Sorte das genau war, konnten wir nicht immer sagen – meist ein milder grüner oder leicht fermentierter Tee, der gut zu den teils sehr scharfen und öligen Gerichten passte und zwischendurch für eine kleine Pause vom Chili sorgte.
🥤 Softdrinks & Eistee aus Convenience Stores
Neben dem Tee im Restaurant haben wir uns vor allem in den Kühlregalen der überall präsenten Convenience Stores bedient. Softdrinks und abgefüllter Eistee waren unser Rückgriff für unterwegs, gerade bei der Hitze in Chongqing oder Guilin. Praktisch, günstig und immer in Reichweite, auch wenn das kein aufregendes China-Erlebnis war, sondern schlicht die pragmatische Lösung zwischendurch.
Baijiu, der hochprozentige chinesische Getreidebrand, und lokales Bier wie Tsingtao gehören in China natürlich genauso zum Bild wie Tee. Wir selbst haben beides aber nicht getrunken und können dir deshalb keine eigene Einschätzung dazu mitgeben.
Restauranttipps
Fürs Bestellen in China gilt als Faustregel: drei bis vier kleine Gerichte für zwei Personen sind in aller Regel schon reichlich, dazu Reis. Die Portionen sind auf Teilen ausgelegt und fallen entsprechend groß aus – wer aus Gewohnheit für jede Person ein eigenes Hauptgericht bestellt, hat am Ende garantiert zu viel auf dem Tisch.
Trinkgeld ist in China unüblich und wird in Restaurants weder erwartet noch wirklich verstanden – im normalen Restaurantbesuch kann ein angebotenes Trinkgeld sogar für Verwirrung sorgen. Eine Ausnahme sind Reiseleiter und Fahrer bei organisierten Touren, wie wir sie 2015 hatten: Dort ist ein kleines Trinkgeld am Ende durchaus üblich und wird gut aufgenommen.
Reservierungen waren bei uns nie nötig, außer bei sehr beliebten Hot-Pot-Ketten, vor denen sich teilweise lange Schlangen bilden – dort haben wir uns einfach angestellt, statt vorher zu reservieren.
Bezahlt haben wir 2015 und 2025 komplett unterschiedlich, und das lag nicht an uns, sondern am Land selbst. 2015 war China für uns noch eine Bargeld-Reise, ausländische Kreditkarten wurden kaum akzeptiert, und wir sind mit einer ordentlichen Summe in bar durchs Land gereist.
2025 hat sich das komplett gedreht: Bezahlt wird inzwischen fast ausschließlich über QR-Code per Alipay oder WeChat Pay, mittlerweile auch mit ausländischen Kredit- und Debitkarten verknüpfbar. Für uns bedeutete das Smartphone statt Portemonnaie, an praktisch jedem Straßenstand und in jedem Restaurant. Etwas Bargeld als Rückfalloption hatten wir trotzdem dabei.


Zwei Reisen, zehn Jahre: Wie unterschiedlich wir in China gegessen haben
2015 waren wir mit einer klassischen Pauschalreise unterwegs, 17 Tage von Shanghai über eine mehrtägige Jangtse-Kreuzfahrt und Chongqing bis nach Lhasa, Xi’an und Peking. Das Programm war durchgetaktet, Mahlzeiten oft schon vom Veranstalter organisiert oder zumindest stark vorgeschlagen – für einen ersten Kontakt mit China ein bequemer Einstieg, kulinarisch aber nicht die Reise, bei der man sich selbst durch Streetfood-Stände isst. Wir erinnern uns an diese Reise vor allem über die Sehenswürdigkeiten, die Verbotene Stadt, den Potala-Palast in Lhasa, die Terrakotta-Armee in Xi’an, weniger über einzelne Gerichte.
2025 war alles anders. 30 Tage, komplett eigenständig geplant, mit klarem Schwerpunkt im Südwesten: Chengdu und Chongqing als kulinarisches Zentrum, dazu Zhangjiajie und Fenghuang für die Landschaft, Guilin und Yangshuo für den Li-Fluss, und Hongkong zum Abschluss. Dieses Mal haben wir uns bewusst Zeit fürs Essen genommen, sind selbst durch Restaurants, Märkte und Straßenstände gezogen und haben uns durch die Sichuan-Küche gegessen, bis wir wirklich genug hatten.
Der Unterschied lässt sich auch daran ablesen, welche Gerichte uns aus welcher Reise in Erinnerung geblieben sind. Aus 2015 fällt uns ehrlich gesagt kaum ein einzelnes Gericht mehr ein, das uns nachhaltig geprägt hätte, aus 2025 dagegen gleich mehrere, angefangen bei den Dan Dan Nudeln. Das sagt vermutlich weniger über die jeweilige Küche aus als über unsere eigene Reiseweise: Wer eng getaktet durchs Land tourt, bekommt vom Essen automatisch weniger mit als jemand, der sich bewusst Zeit dafür nimmt.
Kulinarische Erlebnisse
Einen Kochkurs, eine geführte Streetfood-Tour oder eine organisierte Verkostung haben wir uns bei keiner der beiden China-Reisen gegönnt. Durch Märkte in Chengdu und Chongqing sind wir zwar mehrfach gelaufen, allerdings eher zum Umschauen und für kleine Snacks zwischendurch als für ein bewusst geplantes Markterlebnis. Bei der Pauschalreise 2015 hätte uns dafür ohnehin die Zeit im durchgetakteten Programm gefehlt, und 2025 waren wir eher damit beschäftigt, uns in Chengdu und Chongqing selbst durch Restaurants und Streetfood-Stände zu essen, als eine zusätzliche Aktivität dazu zu buchen. Gerade Chengdu gilt unter Reisenden als eine der besten Städte Chinas für Kochkurse rund um die Sichuan-Küche – für alle, die mehr aus ihrem Aufenthalt dort machen wollen als wir, vermutlich ein lohnender nächster Schritt.

Praktische Tipps für Essen in China
- Trinkgeld: In China ist Trinkgeld im Restaurant unüblich und wird nicht erwartet – anders als in vielen anderen Ländern kann ein zusätzliches Trinkgeld sogar für Verwirrung sorgen. Bei organisierten Touren mit Reiseleiter und Fahrer wird ein kleines Trinkgeld am Ende dagegen durchaus geschätzt.
- Leitungswasser: Von Leitungswasser raten wir ab, auch wenn es in den großen Städten gechlort und für Zähneputzen oder Duschen unbedenklich ist. Zum Trinken sind wir durchgehend auf abgefülltes Wasser umgestiegen, das überall günstig zu bekommen ist.
- Allergien: Die Verständigung zu Allergien war für uns außerhalb der großen Städte teilweise schwierig, weil abseits der Touristenrouten oft kein Englisch gesprochen wird. Eine Übersetzungs-App mit Foto-Funktion hat uns dabei öfter geholfen als Worte allein. Erdnüsse, Fischsoße, Sichuanpfeffer und Sojasauce stecken in sehr vielen Gerichten, auch dort, wo man es nicht direkt vermutet.
- Vegetarisch/Vegan: China hat durch den Buddhismus eine lange eigene Tradition rein pflanzlicher Küche, und in größeren Städten wächst das Angebot an vegetarischen und veganen Restaurants spürbar. Vorsicht ist trotzdem geboten: Viele auf den ersten Blick vegetarische Gerichte werden mit Fleischbrühe oder etwas Schmalz zubereitet, weshalb sich Nachfragen lohnt.
- Essenszeiten: Anders als in vielen südostasiatischen Ländern sind die Essenszeiten in China vergleichsweise klar getaktet, mit einem herzhaften Frühstück, oft schon früh am Morgen, und Mittag- sowie Abendessen als Hauptmahlzeiten.
- Reservierungen: Außerhalb sehr beliebter Hot-Pot-Ketten und gehobener Restaurants in Großstädten waren Reservierungen bei uns nie nötig.
- Kartenzahlung: Bezahlt wird in China heute fast ausschließlich über Alipay oder WeChat Pay per QR-Code, inzwischen auch mit ausländischen Karten verknüpfbar. Klassische Kartenzahlung mit Kreditkarte ist dagegen selten möglich, Bargeld findet man vor allem noch in ländlicheren Regionen als sinnvolle Rückfalloption.
- Hygiene bei Street Food: Uns ist bei beiden Reisen nichts passiert, was wir auf das Essen zurückführen würden. Als Faustregel gilt auch in China: Stände mit sichtbar hohem Durchlauf und frisch zubereiteten Speisen sind die sicherere Wahl.
Fragen zum Essen & Trinken in China
Was solltet ihr in China unbedingt probieren?
Aus eigener Erfahrung würden wir dir ganz klar Dan Dan Nudeln ans Herz legen, am besten direkt in Chengdu, wo sie herkommen. Dazu Hot Pot in Chongqing, wenn du Zeit und Gesellschaft für das gemeinsame, ausgedehnte Essen mitbringst, und die scharfen Bohnen mit Knoblauch, die uns über die ganze Reise begleitet haben. Wenn du dich an andere Regionen wagst als wir, gehören Pekingente in Peking und Xiaolongbao in Shanghai zu den Klassikern, die auf keiner Liste fehlen sollten.
Ist Essen in China teuer?
Nach unserer Recherche ist Essen in China für europäische Verhältnisse günstig. Ein Snack vom Straßenstand wie Baozi oder ein Fleischspieß kostet oft nur ein bis zwei Euro, ein einfaches Gericht in einem Lokalrestaurant liegt meist zwischen drei und zehn Euro, Reis extra schlägt kaum ins Gewicht. Hot Pot wird etwas teurer, sobald mehr Fleisch und Zutaten dazukommen, bleibt aber im europäischen Vergleich moderat. Die klare Ausnahme ist Hongkong, wo die Preise spürbar näher an Singapur als an Festlandchina liegen. Eigene Zahlen aus unseren Reisen können wir dir dazu nicht liefern, wir haben unterwegs keine Preisliste geführt.
Kann man Street Food in China bedenkenlos essen?
Nach unserer eigenen Erfahrung ja. Wir haben auf beiden Reisen Streetfood gegessen, vor allem Dumplings unterwegs, und uns dabei nie Sorgen gemacht. Wie so oft gilt: Stände mit viel einheimischer Kundschaft und sichtbar frischer Zubereitung sind die sicherere Wahl als Angebote, die schon länger in der Auslage stehen.
Gibt es in China vegetarische Gerichte?
Ja, durchaus, auch wenn China auf den ersten Blick als Land für Fleischliebhaber gilt. Wir haben selbst öfter zu vegetarischen Gerichten gegriffen, etwa den scharfen Bohnen mit Knoblauch, weil sie uns unkomplizierter erschienen als viele Fleischgerichte mit Fett, Knochen und Knorpel. Durch die buddhistische Tradition gibt es außerdem eine eigene vegetarische Küchengeschichte, in größeren Städten wächst zudem die Zahl rein pflanzlicher Restaurants. Wer streng vegan reist, sollte trotzdem gezielt nachfragen, da Fleischbrühe in vielen Gerichten versteckt sein kann.
Wie viel Trinkgeld ist in China üblich?
Im normalen Restaurant gar keins – Trinkgeld ist in China unüblich und wird weder erwartet noch verstanden, wenn man es doch anbietet. Anders sieht es bei organisierten Touren aus: Reiseleiter und Fahrer, wie wir sie bei unserer Pauschalreise 2015 hatten, freuen sich am Ende durchaus über eine kleine Anerkennung.
Kann man in China Leitungswasser trinken?
Wir würden davon abraten, auch wenn das Wasser in großen Städten gechlort und für Zähneputzen völlig unbedenklich ist. Für unterwegs haben wir uns bei beiden Reisen auf abgefülltes Wasser verlassen, das an praktisch jeder Ecke günstig zu bekommen ist.
Wie bezahlt man in China als Reisender?
Das hat sich zwischen unseren beiden Reisen komplett gedreht. 2015 war China für uns noch eine reine Bargeld-Angelegenheit, Kreditkarten wurden kaum akzeptiert. 2025 lief fast alles über Alipay oder WeChat Pay per QR-Code-Scan, mittlerweile auch mit ausländischen Karten nutzbar. Etwas Bargeld als Rückfalloption würden wir trotzdem immer empfehlen, gerade für ländlichere Regionen. Wie das alles funktioniert liest du in unserem Travel Guide zu China.
Warum lässt man in China immer etwas auf dem Teller?
Das hat uns anfangs ziemlich überrascht: Einen Teller komplett leer zu essen, gilt in China als Signal, dass nicht genug bestellt wurde, was als kleine Beleidigung gegenüber dem Gastgeber verstanden werden kann. Deshalb lässt man am chinesischen Tisch bewusst einen Rest übrig, selbst wenn es geschmeckt hat. In Kombination mit der Sitte, viele Gerichte gemeinsam zu bestellen, führt das leider zu einer erheblichen Menge an Essen, die am Ende wieder in der Küche landet.

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