Die Tempel von Chiang Rai

Chiang Rai, die nördlichste Großstadt Thailands, liegt rund 180 km von Chiang Mai entfernt und eignet sich hervorragend für einen Tagesausflug oder einen kurzen Mehrtagesaufenthalt. Mit Bus oder Mietwagen bist du in etwa drei bis vier Stunden dort und merkst schnell: Chiang Rai wirkt trotz einiger Ähnlichkeiten ruhiger und ländlicher als Chiang Mai. Besonders bekannt ist die Provinzhauptstadt für ihre außergewöhnlichen Tempelanlagen, die traditionelle und moderne Elemente auf einzigartige Weise verbinden.

Wir waren 2022 dort und nehmen dich mit zu den vier eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten: dem Weißen Tempel (Wat Rong Khun), dem Blauen Tempel (Wat Rong Suea Ten), dem Roten Tempel (Wat Huay Pla Kang) und dem Black House (Baan Dam Museum).

Blick in den Weißen Tempel in Chiang Rai
Chiang Rai auf einen Blick

📍 Lage: rund 180 km nördlich von Chiang Mai, nördlichste Großstadt Thailands
🎯 Perfekt für: außergewöhnliche Tempelarchitektur, ruhigeres Gegenstück zu Chiang Mai
Empfohlene Dauer: Tagesausflug möglich, für Umgebung und Goldenes Dreieck 2–3 Tage besser
🚗 Anreise: Bus oder Mietwagen ab Chiang Mai (3–4 Std.) oder organisierte Tagestour
💰 Eintritt: Weißer Tempel 200 Baht, Black House 80 Baht, Blauer & Roter Tempel kostenlos (Stand 2026)
☀️ Beste Reisezeit: November bis Februar, kühler und trockener
🏨 Unsere Empfehlung: Tagestour ab Chiang Mai für alle mit begrenzter Zeit
Unser Highlight: Die Haupthalle des Weißen Tempels mit Spiderman, Yoda & Co.


1. Chiang Rais Geschichte: Das Lanna-Königreich im Norden Thailands

Chiang Rai wurde 1262 von König Mangrai gegründet und spielte zunächst eine zentrale Rolle als Hauptstadt des aufstrebenden Lanna-Königreichs. „Lanna“ bedeutet wörtlich „Millionen Reispflanzen“ und umfasste in seiner Blütezeit weite Teile Nordthailands, bis an die Grenzen von Myanmar und Laos.

Chiang Rai lag strategisch günstig am Fluss Mae Kok und in der Nähe wichtiger Handelswege und diente lange als Verwaltungssitz und kulturelles Zentrum, bevor das Lanna-Königreich nach und nach in das aufstrebende Siam integriert wurde. Auch als andere Lanna-Metropolen wie Chiang Mai an Bedeutung gewannen, bewahrte sich die Stadt ihre eigenständige kulturelle Identität – ein Mix aus tibetisch-birmanischen Einflüssen, Spuren des alten Mon-Reiches und thailändischen Volkstraditionen, der bis heute spürbar ist.

Treppe mit den großen Drachen im Komplex des Roten Tempel in Chiang Rai

2. Weißer Tempel (Wat Rong Khun)

Der Weiße Tempel ist keine altehrwürdige Anlage, sondern ein fortlaufendes Kunstprojekt des thailändischen Künstlers Chalermchai Kositpipat. Als wir ihn 2022 besuchten, erzählte man uns, dass der Tempel bis heute erst zu etwa 20 Prozent fertiggestellt ist – wer ihn komplett erleben will, muss laut eigener Aussage des Künstlers wohl bis etwa 2070 warten. Begonnen wurde in den 1990er-Jahren, seither wird ständig weitergebaut.

Die strahlend weiße Farbe symbolisiert Reinheit, Hunderte winzige Spiegelmosaike lassen die Fassade in der Sonne glitzern. Bevor du die Haupthalle betrittst, führt ein Steg über ein Becken, aus dem hunderte gequälte Hände emporragen – eine Allegorie auf Hölle, Begierde und menschliches Leiden. In der Haupthalle selbst, wo Fotografieren verboten ist, warten klassische Szenen aus dem Leben Buddhas neben überraschenden Anspielungen auf Popkultur: Wir haben dort unter anderem Michael Jackson, Meister Yoda, Superman und Pikachu entdeckt. Der Künstler nutzt diese Referenzen bewusst, um Themen wie Gier und Versuchung im modernen Kontext zu illustrieren – allein für einen Blick in diese Halle lohnt sich der Besuch schon.

Öffnungszeiten & Eintritt: täglich 8:00 bis 17:00 Uhr. Der Eintritt für Ausländer wurde zum 1. Januar 2026 von 50 auf 200 Baht verdoppelt, dafür ist jetzt der Zugang zur Cave-of-Art-Ausstellung sowie ein Sarong-Verleih inklusive. Thailändische Staatsbürger sowie Besucher ab 70 Jahren und Kinder unter 120 cm zahlen weiterhin nichts.


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3. Blauer Tempel (Wat Rong Suea Ten)

Der Blaue Tempel ist deutlich jünger, die Hauptarbeiten wurden erst 2016/2017 abgeschlossen. Errichtet wurde er von einem Schüler von Chalermchai Kositpipat, was sich am ebenso kreativen, farbenfrohen Stil ablesen lässt. „Suea Ten“ bedeutet übersetzt „springender Tiger“ – der Legende nach soll hier einst ein Tiger über den Fluss gesprungen sein. Was nach einer alten Sage klingt, ist tatsächlich ein neuzeitliches Künstlerprojekt: Der Erbauer wollte damit zeigen, was er von seinem Meister gelernt hat, und das gelingt eindrucksvoll.

Tiefes Kobaltblau bedeckt Außen- und Innenwände, in filigranen Mustern, Drachenskulpturen und goldenen Verzierungen. Blau steht hier für Dhamma, die buddhistische Lehre, für Reinheit und Unendlichkeit. Im Zentrum thront eine große, schneeweiße Buddha-Figur, die sich vor dem dunklen Hintergrund fast schwebend präsentiert. Fällt Sonnenlicht durch die offenen Türen, wirkt der ganze Raum wie ein Palast aus Licht und Farbe.

Öffnungszeiten & Eintritt: täglich etwa 7:00 bis 20:00 Uhr, der Eintritt ist kostenlos, Spenden sind willkommen.


4. Roter Tempel (Wat Huay Pla Kang)

Der „Rote Tempel“ zeigt mehr als nur rötliche Farbtöne: Die weitläufige Anlage vereint eine neunstöckige Pagode, ein chinesisch inspiriertes Heiligtum und eine gigantische weiße Guan-Yin-Statue. In den letzten Jahren hat sich der Ort zu einer beliebten Pilgerstätte für Thais und chinesische Besucher entwickelt, da Guan Yin, die chinesische Göttin des Mitgefühls, hier besonders verehrt wird.

Die Hauptpagode mit chinesischen Drachenskulpturen und geschwungenen Dächern zeigt die Mischung aus thai-buddhistischer und chinesisch-mahayanischer Tradition, in den oberen Stockwerken warten Schreine mit buddhistischen und taoistischen Elementen. Das eigentliche Highlight ist die über 20-stöckige weiße Guan-Yin-Statue: Per Aufzug fährst du in die obere Ebene, von wo aus dir kleine Fenster eine weite Panoramasicht auf die Landschaft bieten.

Öffnungszeiten & Eintritt: täglich etwa 7:00 bis 18:00 Uhr, der Zutritt zur Anlage ist kostenlos, für den Aufzug in die Statue zahlst du rund 40 Baht.


5. Black House (Baan Dam Museum)

Kein Tempel, sondern ein Kunstmuseum: Das Black House ist die Schöpfung des 2014 verstorbenen Künstlers Thawan Duchanee, eine Ansammlung traditionell anmutender, aber durchweg dunkel gestrichener Holzbauten in klassischer Lanna-Architektur. Schnitzereien und Dachformen erinnern an Drachen- und Naga-Motive, im Inneren mancher Häuser warten kunstvoll geschnitzte Tische und Stühle, Felle und Hörner – eine Mischung aus Jagdschloss und Kunstgalerie.

Thawan Duchanee wollte mit seinen Exponaten Fragen nach Leben und Tod, Vergänglichkeit und spiritueller Essenz aufwerfen, morbide Materialien wie Schädel und Knochen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Öffnungszeiten & Eintritt: täglich 9:00 bis 17:00 Uhr, mit Mittagspause von 12:00 bis 13:00 Uhr. Der Eintritt liegt bei 80 Baht, Kinder unter 12 Jahren zahlen nichts. Fotografieren ist in den meisten Bereichen erlaubt, verhalte dich trotzdem respektvoll, es handelt sich um ein Kunst- und Ausstellungsensemble.


6. Abstecher zum Goldenen Dreieck

Wer von Chiang Rai aus noch weiter nach Norden möchte, findet im Goldenen Dreieck (Sop Ruak) ein weiteres spannendes Ziel, nur etwa 70 km nordöstlich, dort wo Mekong und Ruak-Fluss aufeinandertreffen und sich die Grenzen von Thailand, Laos und Myanmar berühren. Die Fahrt dauert ein bis eineinhalb Stunden, ein halbtägiger Trip lässt sich also gut einplanen.

Bekannt ist die Region vor allem für ihre historische Rolle als bedeutendes Opium-Anbaugebiet, heute konzentriert sich hier alles auf Tourismus und grenzüberschreitenden Kulturkontakt. Am Hauptaussichtspunkt blickst du auf alle drei Länder gleichzeitig. Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, besucht das nahegelegene Hall of Opium Museum mit seiner interaktiven, teils beklemmenden Ausstellung über Anbau, Handel und Folgen der Opiumwirtschaft in Südostasien.

Auf der laotischen Seite des Flusses liegt „Laos Vegas“, eine von chinesischen Investoren gebaute Casinostadt, die zum zweiten Macau werden soll. Wir haben eine Bootsfahrt auf dem Mekong unternommen und fanden es fast surreal, wie deplatziert diese Glitzerstadt inmitten der Flusslandschaft wirkt – untermalt wurde die Fahrt bei uns ungewollt mit lauter Euro-Dance-Musik vom Boot. Skurril, aber ein Erlebnis, das wir nicht vergessen haben: einmal auf dem Mekong unterwegs zu sein, einem der größten und geschichtsträchtigsten Flüsse der Welt.

Anreise & Tipps: Ab Chiang Rai per Sammeltaxi, Bus, Mietwagen oder organisierter Tagestour, die oft auch einen Grenzmarkt in Mae Sai oder einen Stopp an Teeplantagen einschließt. Plane für den Bereich rund ums Goldene Dreieck mindestens einen halben Tag ein, mehr noch mit Museumsbesuch.


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7. Anreise & Unterkunft in Chiang Rai

Von Chiang Mai aus erreichst du Chiang Rai per Bus (ca. 3–4 Std.), Mietwagen oder organisierter Tagestour. Für einen längeren Aufenthalt findest du in und um Chiang Rai zahlreiche Unterkünfte*, vom einfachen Guesthouse bis zum Boutique-Hotel – besonders rund um das Nachtmarkt-Viertel oder nahe dem Fluss Mae Kok gibt es charmante Optionen.

Tagestour oder mehrere Tage?

Eine Tagestour eignet sich perfekt, wenn du wenig Zeit hast oder primär die Highlights (Weißer, Blauer und Roter Tempel, Black House) sehen möchtest – manche Touren steuern zusätzlich das Goldene Dreieck bei Chiang Saen oder Long-Neck-Villages an. Wir haben unsere Tour über Fullmoon Travel in Chiang Mai gebucht; rechne aktuell mit rund 1.300 bis 1.400 Baht pro Person, die Preise sind seit unserem Besuch spürbar gestiegen. Mehrere Tage lohnen sich, wenn du zusätzlich die umliegenden Bergregionen, Teeplantagen oder das Grenzgebiet zu Myanmar erkunden und auch den Nachtmarkt von Chiang Rai in Ruhe erleben möchtest.

Blauer Tempel in Chiang Rai

Häufige Fragen zu den Tempeln von Chiang Rai

Was kostet der Eintritt zum Weißen Tempel in Chiang Rai?

Seit dem 1. Januar 2026 zahlen ausländische Besucher 200 Baht, inklusive Zugang zur Cave-of-Art-Ausstellung und kostenlosem Sarong-Verleih. Vorher lag der Preis bei 50 Baht.

Wie viele Tempel sollte ich an einem Tag in Chiang Rai besuchen?

Weißer, Blauer und Roter Tempel plus Black House lassen sich gut an einem Tag unterbringen, entweder auf eigene Faust mit Mietwagen oder mit einer organisierten Tagestour ab Chiang Mai.

Lohnt sich eine Tagestour oder sollte ich in Chiang Rai übernachten?

Für die vier Hauptattraktionen reicht eine Tagestour ab Chiang Mai locker. Wer zusätzlich das Goldene Dreieck, Teeplantagen oder die Bergregionen erkunden möchte, sollte ein bis zwei Nächte einplanen.

Ist der Blaue Tempel wirklich kostenlos?

Ja, der Eintritt zum Wat Rong Suea Ten ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen.

Wie komme ich vom Roten Tempel auf die Aussichtsplattform der Guan-Yin-Statue?

Per Aufzug im Inneren der Statue, die Fahrt kostet rund 40 Baht zusätzlich zum kostenlosen Eintritt der Tempelanlage.

Was hat es mit dem Black House auf sich, wenn es kein Tempel ist?

Das Black House (Baan Dam Museum) ist ein Kunstmuseum des Künstlers Thawan Duchanee mit dunklen Holzbauten in Lanna-Architektur, die sich mit Themen wie Leben, Tod und Vergänglichkeit auseinandersetzen.


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Nico & Katja


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