Yangtze-Kreuzfahrt in China

Der Jangtsekiang – kurz Jangtse oder Yangtze – ist mit 6.380 Kilometern der längste Fluss Chinas und der drittlängste der Welt. Er entspringt im tibetischen Hochland und durchquert das Land von West nach Ost, bevor er bei Shanghai ins Ostchinesische Meer mündet. Über 2.800 Kilometer ist er schiffbar, und genau dieser Abschnitt zwischen Yichang und Chongqing ist heute eine der beliebtesten Routen für Flusskreuzfahrten – geprägt von steilen Schluchten, jahrtausendealter Geschichte und einem der größten Bauprojekte der Welt.

Wir selbst sind 2015, auf unserer allerersten China-Reise, von Yichang nach Chongqing gefahren – vier Tage voller Kontraste zwischen Natur, Geschichte und Wasserwegen. Diese Etappe war eines der Highlights unserer ersten China-Reise, direkt nach den Hochhäusern von Shanghai und noch vor Tibet und Peking.

Yangtze Kreuzfahrt
Unterwegs auf dem Yangtze, dem längsten Fluss Chinas
Die Yangtze Kreuzfahrt auf einen Blick

📍 Region: Zentralchina, zwischen Hubei (Yichang) und Chongqing
🏛️ Perfekt für: Naturfreunde, Geschichtsinteressierte, alle, die China abseits der großen Touristenstädte erleben wollen
⏳ Empfohlene Dauer: 3–4 Tage (klassische Route Yichang–Chongqing oder umgekehrt)
🚗 Fortbewegung/Anreise: Kreuzfahrtschiff ab Yichang, erreichbar per Hochgeschwindigkeitszug (z. B. ab Shanghai); Ankunft in Chongqing
💰 Preisniveau: mittel bis gehoben, abhängig von Schiffskategorie
☀️ Beste Reisezeit: Frühling (April–Juni) und Herbst (September–November)


Visumfreie Einreise nach China

Eine der größten Änderungen seit unserem ersten Besuch: Für einen Kurztrip nach Peking brauchst du inzwischen gar kein Visum mehr. Seit November 2024 dürfen deutsche Staatsangehörige für touristische Aufenthalte bis zu 30 Tage visumfrei nach China einreisen. Stand jetzt gilt diese Regelung bis Ende 2026 – danach kann sie verlängert, angepasst oder auch wieder gestrichen werden, wie es in der Vergangenheit schon öfter der Fall war.

Wie die visumfreie Einreise genau funktioniert, was du dafür brauchst und wie du dich nach Ankunft registrierst, erklären wir ausführlich in unserem Artikel „China Reise planen“ – dort halten wir das auch aktuell, falls sich an der Regelung etwas ändert.

1. Der Yangtse – die Lebensader Chinas

Der Yangtse ist mehr als der längste Fluss des Landes. Er ist Lebensader für Millionen Menschen, historische Grenze zwischen Nord- und Südchina und wirtschaftliches Rückgrat – an seinen Ufern liegen Metropolen wie Chongqing, Wuhan, Nanjing und Shanghai. Täglich verkehren hier Frachtschiffe, Fähren und Kreuzfahrtschiffe, was ihn zur wichtigsten Binnenwasserstraße Chinas macht.

Besonders bekannt ist der Fluss für seine Drei Großen Schluchten – Qutang, Wu und Xiling –, die du bei einer Kreuzfahrt zwischen Yichang und Chongqing durchquerst. Mitten in der Xiling-Schlucht steht mit dem Drei-Schluchten-Staudamm das größte Wasserkraftwerk der Welt, für dessen Bau über 1,2 Millionen Menschen umgesiedelt werden mussten – ein bis heute umstrittenes Kapitel, zu dem wir weiter unten mehr schreiben.

Der Fluss ist ökologisch angeschlagen: Verschmutzung, Überfischung und der Bau zahlreicher Staudämme setzen dem Ökosystem zu. Der Baiji, der chinesische Flussdelfin, gilt seit 2007 offiziell als ausgestorben – vereinzelte, unbestätigte Sichtungsmeldungen gibt es zwar, aber keine handfesten Beweise. Es gibt aber auch eine Erfolgsgeschichte: Seit 2021 gilt ein zehnjähriges Fangverbot auf dem Yangtse, und der Bestand des Jangtse-Glattschweinswals erholt sich seitdem spürbar – 2025 wurden rund 1.426 Tiere gezählt, ein Plus von 177 gegenüber 2022.


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2. Einstieg in Yichang – Das Tor zum Jangtse

Yichang ist für chinesische Verhältnisse eine „kleine“ Stadt mit nur etwa 4 Millionen Einwohnern. Sie liegt in der Provinz Hubei und markiert den Startpunkt der meisten Jangtse-Kreuzfahrten. Wir sind mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Shanghai angereist – schnell, komfortabel und unkompliziert. Vor Ort erfolgt der Einschiffungsvorgang meist zentral organisiert, abhängig vom Anbieter. Am nächsten Morgen beginnt dann das eigentliche Abenteuer auf dem Wasser.

Unser Schiff in Yichang

3. Drei-Schluchten-Staudamm & Xiling-Schlucht

Bereits zu Beginn der Fahrt begegnet man einem der eindrucksvollsten Bauwerke der Neuzeit: dem Drei-Schluchten-Staudamm. Mit 1.853 Metern Länge und 181 Metern Höhe ist er das größte Wasserkraftwerk der Welt. Der Bau erforderte die Umsiedlung von über 1,2 Millionen Menschen – ein bis heute umstrittenes Kapitel in Chinas jüngerer Geschichte. Zugleich verbessert das Megaprojekt die Stromversorgung und schützt vor Überflutungen.

Wir sind damals nicht nur mit dem Schiff durch die Schleusen gefahren, sondern auch von Bord gegangen, um das Gelände und die Aussichtsplattform selbst zu besichtigen – aus der Nähe wirkt die Anlage noch monumentaler als vom Wasser aus. Die Durchfahrt durch die fünfstufige Schleuse dauert rund drei Stunden. Alternativ gibt es inzwischen auch einen Schiffslift für kleinere Boote, der die Wartezeit deutlich verkürzt.

Direkt hinter dem Staudamm beginnt die Xiling-Schlucht. Früher war sie wegen Stromschnellen gefürchtet, heute gleitet das Schiff durch eine markierte Fahrrinne, die sich durch die gewaltige Bergkulisse windet.


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4. Die Drei Großen Schluchten

Die bekanntesten Abschnitte jeder Jangtse-Kreuzfahrt sind die drei markanten Schluchten:

  • Die Qutang-Schlucht (Qutang Xia): Mit nur 8 Kilometern die kürzeste, aber mit bis zu 350 Metern hohen Steilwänden die spektakulärste. Der Blick auf die enge Passage zwischen den Felsen ist ikonisch – hier macht jeder an Bord ein Foto.
  • Die Wu-Schlucht (Wu Xia): Die sogenannte „Hexenschlucht“ ist 44 Kilometer lang und wird von zwölf legendären Gipfeln überragt, viele davon mit mythologischen Namen. Besonders eindrucksvoll bei morgendlichem Nebel oder im Licht der untergehenden Sonne.
  • Die Xiling-Schlucht (Xiling Xia): Mit 76 Kilometern die längste der drei. Früher eine Herausforderung für jeden Kapitän, heute dank Staudamm beruhigt – aber nicht minder eindrucksvoll. Die Wasserstraße führt durch mächtige Felsformationen und enge Kurven.

5. Highlights auf dem Weg nach Chongqing

Mini-Schluchten – Seitenarme der Natur

Ein typischer Ausflug während der Kreuzfahrt führt in die Drei Kleinen Schluchten in der Nähe von Wushan. Hier steigst du auf kleinere Boote um, da die Kreuzfahrtschiffe nicht in die schmalen Seitenarme passen – bei uns ging es dann noch ein Stück zu Fuß weiter. Die Fahrt durch die Mini-Canyons ist ruhig und naturnah. Manche Reisende sehen dabei Affen oder entdecken die antiken Holzsärge, die hoch oben in den Felswänden stecken – Relikte einer alten Bestattungstradition der Ba-Volksgruppe. Bei uns hat sich davon an dem Tag nichts gezeigt, aber halt einfach die Augen offen.

Shibaozhai – Tempel auf dem Felsen

In der Provinz Chongqing liegt der Tempelberg Shibaozhai, was so viel wie „Steinfestung“ bedeutet. Das auffälligste Bauwerk ist die rot gestrichene, zwölfstöckige Pagode, die sich an einen einzelnen Felsen schmiegt. Ursprünglich 1750 erbaut, diente sie als Treppenhaus zum eigentlichen Kloster auf der Bergspitze. Je nach Wasserstand ist der Hügel vollständig vom Jangtse umgeben, eine schwankende Hängebrücke führt hinüber, während am Fuß des Tempels ein ganzes Dorf vom Souvenirverkauf lebt. Wir sind hoch, und die Aussicht von oben hat für die vielen Stufen entschädigt.

Fengdu – Die Stadt der Geister

Fengdu liegt ebenfalls am Jangtse und ist bekannt als die „Geisterstadt“. Der Legende nach ist der nahegelegene Mingshan-Berg der Eingang zur Unterwelt, zahlreiche Tempel, Statuen und Wachsfiguren zeigen Szenen aus dem Jenseits – ein Mix aus buddhistischen, daoistischen und volkstümlichen Glaubensvorstellungen. Ob deine Kreuzfahrt hier stoppt, hängt vom Anbieter ab. Bei uns war das nicht der Fall – wir haben die bunte Tempelanlage am Berg nur vom Schiff aus gesehen, während wir vorbeigefahren sind.

Kurz hinter Fengdu steht ein verlassenes Hotel am Berg und wirkt wie ein weiterer Tempel

Zielhafen Chongqing – Megacity mit Charakter

Die meisten Flusskreuzfahrten enden in Chongqing, einer Metropole am Zusammenfluss von Jangtse und Jialing. Als wir 2015 am Chaotianmen-Pier ankamen, war dort noch deutlich weniger los als heute – mittlerweile prägt das gigantische Raffles-City-Ensemble die Uferpromenade, was die Ankunft heute noch imposanter macht, als wir sie erlebt haben. Von dort ging es für uns mit dem Auto durch die Stadt hinauf zu einem Aussichtspark, und der Blick, der sich dort bot, war überwältigend: Hochhäuser bis zum Horizont, in jede Richtung. Wer diesen Panoramablick sucht, findet ihn zum Beispiel im Eling Park hoch über dem Zusammenfluss der beiden Flüsse. Die Stadt ist ein Wirtschaftsmotor Westchinas, bekannt für steile Hänge, ihre Skyline und die feurige Küche. Ein Aufenthalt lohnt sich, um etwa Hongyadong oder den Chaotianmen-Platz zu erkunden. Unsere Tipps findest du im Artikel „Chongqing Highlights“.

Oben Chongqing 2015 – unten Chongquing heute

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FAQ: Häufige Fragen zur Yangtze Kreuzfahrt

Wie lange dauert eine Yangtze-Kreuzfahrt von Yichang nach Chongqing?

Klassisch 3 bis 4 Tage. Kürzere Abschnitte (z. B. nur durch die Drei Schluchten) sind bei manchen Anbietern ebenfalls buchbar.

In welche Richtung sollte man fahren – Yichang nach Chongqing oder umgekehrt?

Beide Richtungen werden angeboten. Wir sind flussaufwärts von Yichang nach Chongqing gefahren; viele Kreuzfahrten fahren auch flussabwärts in die andere Richtung.

Braucht man ein Visum für eine Yangtze-Kreuzfahrt?

Deutsche Staatsangehörige können seit November 2024 für bis zu 30 Tage visumfrei nach China einreisen (Stand: gültig bis Ende 2026). Details dazu in „China Reise planen“ .

Lohnt sich die Yangtze-Kreuzfahrt landschaftlich?

Sie ist eindrucksvoll, aber nicht Chinas spektakulärste Landschaft. Zhangjiajie, Tibet oder Guilins Karstfelsen bieten mehr fürs Auge. Der Wert der Kreuzfahrt liegt eher im Tempo und den Einblicken in Städte abseits der üblichen Reiserouten.

Was sieht man am Drei-Schluchten-Staudamm?

Die Durchfahrt durch die fünfstufige Schleuse (ca. 3 Stunden) sowie, bei den meisten Kreuzfahrten, einen Landgang mit Blick von der Aussichtsplattform auf das gesamte Bauwerk.

Lohnt sich eine Yangtze-Kreuzfahrt?

Für uns ja – aber nicht in erster Linie wegen der Landschaft. Wer wirklich spektakuläre Natur sehen will, ist in Zhangjiajie, Tibet oder an Guilins Karstfelsen besser aufgehoben, landschaftlich hat China Schöneres zu bieten als die Jangtse-Schluchten. Der Wert der Kreuzfahrt liegt woanders: Du kommst auf eine völlig andere Art von A nach B, als wenn du einfach durchfliegst. Der Jangtse ist die Lebensader Chinas, geschichtlich bedeutend, und die kleinen wie großen Städte an seinen Ufern zeigen ein Stück China, das du auf einer klassischen Städtereise durch Shanghai, Peking oder Xi’an sonst nicht siehst.

Der Haken: Du brauchst Zeit. Drei bis vier Tage für eine Flussfahrt sind ein spürbarer Teil jeder China-Reise. Wer wenig davon hat, sollte eher fliegen und die gewonnenen Tage in einer Stadt oder in der Natur verbringen, Chinas Großstädte und Landschaften bieten so viel, dass eine Kreuzfahrt dafür schnell zu viel Reisezeit kostet.


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