Tulum in Quintana Roo, Mexiko

Tulum ist eines der bekanntesten Reiseziele Mexikos – und gleichzeitig eines der widersprüchlichsten. Karibikblaues Wasser, eine Maya-Ruine direkt an der Klippe, Cenoten im Umland: Die Zutaten für ein Paradies sind alle da. Gleichzeitig ist Tulum das Paradebeispiel dafür, wie schnell aus einem Fischerdorf ein durchkommerzialisiertes Touristenzentrum werden kann.

Wir haben unsere letzten neun Tage in Mexiko in Tulum verbracht – nach Bacalar, als wir langsam Ruhe brauchten und die Preise an der Küste ohnehin deutlich anzogen. Den Ausschlag gab am Ende ein kleines, verhältnismäßig günstiges Apartment mit Wohn- und Schlafzimmer und eigenem Pool, das wir dort gefunden hatten. In diesem Artikel bekommst Du alle praktischen Infos – aber eben auch unsere ehrliche Einschätzung, warum Tulum uns am Ende nicht durchweg überzeugt hat, obwohl wir den Ort keinesfalls schlechtreden wollen.

Die Farbe des Wassers an den Stränden von Tulum ist paradiesisch

Tulum auf einen Blick

📍 Region: im Osten der Yucatán Halbinsel, Bundesstaat Quintana Roo
🏛️ Anreise: Überlandbus
🌿 Highlight: Ruinen von Tulum und die Strände
Empfohlene Aufenthaltsdauer: 3 Tage
🏨 Kosten: Strandzugang über Beachclubs und Ruinen kostenpflichtig
Unsere Bewertung: ★★★★☆

1. Tulum ist nicht gleich Tulum

Tulum besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. Tulum Pueblo, die eigentliche Stadt, ist das belebte Zentrum mit Restaurants, Märkten und vergleichsweise erschwinglichen Unterkünften – hier bekommst Du noch authentisches mexikanisches Essen und Streetfood. Die Tulum Hotelzone dagegen ist eine rund 10 Kilometer lange Küstenstraße mit Öko-Resorts, Beach Clubs und Yoga-Retreats, bei der Du für die exklusive Lage am Meer entsprechend tief in die Tasche greifen musst.

Während der Maya-Zeit war Tulum ein Handelszentrum, über das Obsidian, Honig und Kakao verschifft wurden. Von diesem geschichtsträchtigen Fischerdorf ist heute wenig übrig: In der Stadt Tulum leben mittlerweile rund 33.000 Menschen, in der gesamten Gemeinde knapp 47.000 – seit 2010 ist die Bevölkerung um etwa 65 Prozent gewachsen. Dazu kommen jährlich rund zwei Millionen Touristen für die Region. Überall stehen Baustellen für neue Resorts und Apartmentanlagen, auf den Werbetafeln eine schöner als die andere, ab etwa 130.000 Euro ist man dabei.

Uns ist dieses ungebremste Wachstum an jeder Ecke aufgefallen. Je weiter man sich vom zentralen Platz und der Strandzufahrt entfernt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Tourismus und dem Alltag der Einheimischen – trotzdem hatten wir nie das Gefühl, dass hier eine gewachsene, feste Stadtgemeinde lebt. Tulum wirkt wie ein Ort, der fast ausschließlich durch Zuzug entstanden ist. Eine klassisch authentische mexikanische Kleinstadt haben wir hier nicht gefunden, und so richtig wohlgefühlt haben wir uns in der Stadt selbst am Ende auch nicht. Interessant war der Aufenthalt trotzdem.

Das ikonische Bild von Tulum – die Ruinen thronen direkt über den türkisfarbenen Stränden

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2. Wie kommst Du nach Tulum?

Der nächstgelegene Flughafen ist Cancún International (rund 120 Kilometer nördlich), von dort geht es per Shuttle, Mietwagen oder ADO-Bus weiter nach Tulum. Die ADO-Busgesellschaft bietet zudem komfortable Direktverbindungen ab Cancún, Playa del Carmen oder Valladolid. Mit dem Auto führt die Küstenstraße 307 direkt von Cancún nach Tulum, die Fahrt dauert rund 1,5 bis 2 Stunden. Ein Mietwagen gibt Dir die meiste Freiheit, um auch abgelegenere Strände und Cenoten auf eigene Faust zu erreichen.

Tulum am Abend, wenn die Streetfoodstände aufgereiht werden

3. Die Ruinen von Tulum – Maya-Geschichte mit Karibikblick

Die Tulum-Ruinen zählen zu den spektakulärsten archäologischen Stätten Mexikos, weil sie direkt auf einer Klippe über dem Karibischen Meer liegen. Ihr ursprünglicher Name war Zamá, „Stadt des Morgens“ – eine Anspielung auf die Ausrichtung zum Sonnenaufgang.

Zu den Höhepunkten gehören El Castillo, der höchste Tempel und einstige Leuchtturm für Seefahrer mit Panoramablick über die Karibik, der direkt an der Klippe gelegene Tempel des Windgottes sowie der Tempel der Fresken mit gut erhaltenen Maya-Wandmalereien. Unterhalb der Ruinen liegt zudem ein kleiner, wirklich schöner Strand zum Abkühlen nach der Besichtigung.

Der Eintritt hat sich seit unserem Besuch deutlich verteuert: Aktuell zahlst Du insgesamt rund 515 Pesos, aufgeteilt in die INAH-Ruinengebühr (210 Pesos), das CONAP-Armband für den Nationalpark (125 Pesos) und die Gebühr für den Jaguar Park (180 Pesos) – alle drei sind Pflicht, um überhaupt zu den Ruinen zu gelangen. Geöffnet ist täglich von 8 bis 17 Uhr, letzter Einlass um 15:30 Uhr. Geh am besten gleich zur Öffnung hin: Die Anlage ist komplett ohne Schatten, und weil sie im Vergleich zu anderen Maya-Stätten recht klein ist, verteilen sich die Besuchermassen hier deutlich schlechter als etwa in Chichén Itzá. Für uns war es die vollste Maya-Stätte, die wir in Mexiko erlebt haben – trotzdem hat sie uns durch die Kulisse nochmal einen ganz anderen Blick auf die Maya-Kultur gegeben. Ein echtes Extra: Überall auf dem Gelände liegen große Leguane auf den Tempeln oder im Gras in der Sonne.


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4. Die Strände von Tulum

Hier kommen wir zum Kern unserer Kritik: Die Strände selbst sind wirklich schön, mit warmem, klarem Wasser – das Problem ist der Zugang. Große Teile der Küste sind mit Hotelanlagen zugebaut, die den Strand nur Hotelgästen oder gegen Eintritt in ihre Beachbar zugänglich machen. Direkt von den Ruinen aus kommst Du noch kostenlos ans Wasser, aber je weiter man die Hotelzone entlangfährt, desto mehr wird klar: Wer nicht zahlt oder sich einmietet, kommt kaum an den Strand.

Playa Paraíso ist der bekannteste frei zugängliche Strand – ein langer, feiner Sandstrand mit dem berühmten schräg gewachsenen Palmenbaum. Wir hatten dort großes Glück: keine einzige Alge am Strand. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn Tulum kämpft je nach Saison mit teils erheblichem Sargassum-Algenbefall. Am stärksten betroffen sind die Monate Mai bis September, besonders Juni bis August; am geringsten ist das Risiko meist zwischen November und Februar, auch wenn es in den letzten Jahren vereinzelt schon im Januar oder März zu ungewöhnlich frühen Algenteppichen kam. Bevor Du Deine Reise planst, lohnt sich ein Blick auf aktuelle Sargassum-Prognosen für die Riviera Maya.

Playa Ruinas, der kleine Strand direkt unterhalb der Tulum-Ruinen, ist über das Ruinen-Ticket zugänglich und einer der fotogensten Abschnitte der ganzen Küste.

In der Hotelzone bieten zudem viele Strandhotels Day Passes für ihre privaten Beach Clubs an, etwa Nomade mit Boho-Chic-Atmosphäre, Ahau Tulum mit seiner markanten Holzskulptur am Eingang oder Papaya Playa Project, bekannt für seine Full-Moon-Partys. Rechne hier mit einem Mindestverzehr von umgerechnet 20 bis 50 US-Dollar pro Person – aus unserer Sicht der Kern dessen, was an der Tulumer Hotelzone stört: hohe Mauern zur Straße, und Zugang zum Meer nur gegen entsprechende Bezahlung.


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5. Die schönsten Cenoten rund um Tulum

Die Region um Tulum ist bekannt für ihre Cenoten – natürliche Süßwasserhöhlen, die für die Maya heilige Orte und Trinkwasserquellen waren. Auch hier sind die Preise seit unserem Besuch spürbar gestiegen, teils auf das Drei- bis Vierfache.

Der Gran Cenote, rund 5 Kilometer von Tulum entfernt und mit dem Fahrrad in etwa 20 Minuten erreichbar, besteht aus mehreren verbundenen Becken mit ausgezeichneter Sicht auf Fische und Schildkröten – dementsprechend beliebt und voll ist er auch, komm am besten früh. Der Eintritt liegt aktuell bei rund 500 Pesos.

Cenote Dos Ojos ist eines der größten bekannten Unterwasserhöhlensysteme Mexikos und vor allem für Taucher interessant, die hier über weite Strecken erkunden können; auch zum Schnorcheln geeignet. Aktueller Eintritt: etwa 400 Pesos.

Cenote Calavera, benannt nach den drei Löchern in der Decke, die wie Augenhöhlen wirken, erlaubt einen Sprung direkt ins tiefe Wasser oder den Einstieg über eine Holzleiter für alle, die es lieber ruhig angehen. Eintritt: rund 250 Pesos.

Cenote Carwash (offiziell Aktun-Ha) verdankt ihren Namen früheren Zeiten, als Taxifahrer hier ihre Autos wuschen. Heute ist sie deutlich weniger überlaufen als der Gran Cenote und eine gute ruhigere Alternative. Eintritt: etwa 300 Pesos.

Unsere eigene Empfehlung ist aber die Cenote Escondido, kombiniert mit einem Ticket für die benachbarte Cenote Cristal (beide zusammen aktuell rund 300 Pesos, das Ticket bekommst Du am Schalter der Cenote Cristal). Escondido ist deutlich weniger bekannt als Gran Cenote oder Dos Ojos, entsprechend ruhig war es bei unserem Besuch. Wir sind mit dem Fahrrad von Tulum aus hingefahren, das klare, tiefblaue Wasser ließ sich hervorragend zum Schnorcheln nutzen. Für alle, die lieber Ruhe statt Touristenmassen wollen, ist das aus unserer Sicht die bessere Wahl.

Cenote Escondido

6. Tagesausflüge ab Tulum: Cobá und Sian Ka’an

Zwei der bekanntesten Tagesausflüge ab Tulum sind die Maya-Ruinen von Cobá und das Biosphärenreservat Sian Ka’an. Ehrlich gesagt haben wir beide bei unserem eigenen Besuch ausgelassen – uns war das Preis-Leistungs-Verhältnis der Touren zu diesem Zeitpunkt unserer Reise einfach nicht mehr wert. Für alle, die Zeit und Budget haben, hier trotzdem die wichtigsten Fakten:

Cobá liegt rund 47 Kilometer beziehungsweise etwa 45 Autominuten von Tulum entfernt, mitten im Dschungel. Anders als in Tulum oder Chichén Itzá darfst Du hier die Nohoch-Mul-Pyramide, mit 42 Metern die höchste Maya-Pyramide der Halbinsel, noch besteigen. Die weitläufige Anlage lässt sich gut mit dem Leihfahrrad erkunden. ADO-Busse fahren von Tulum nach Cobá (rund eine Stunde, etwa 100 Pesos pro Strecke), Fahrräder gibt es am Eingang für rund 60 bis 80 Pesos. Der Eintritt liegt aktuell bei insgesamt rund 330 Pesos (INAH- plus Ejido-Gebühr), geöffnet täglich von 8 bis 17 Uhr.

Sian Ka’an, UNESCO-Weltnaturerbe seit 1987, bedeutet in der Maya-Sprache „Ort, an dem der Himmel geboren wurde“. Auf Bootstouren durch Mangroven und Lagunen lassen sich mit etwas Glück Delfine beobachten, dazu gehört das mesoamerikanische Riff, das zweitgrößte der Welt, zu den Schnorchelspots in der Nähe. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist wegen der schlechten Straßenverhältnisse zeitaufwendig (rund 3 bis 4 Stunden für nur 50 Kilometer bis Punta Allen), weshalb die meisten Besucher eine organisierte Tour ab Tulum oder Muyil buchen. Rechne mit Touren ab etwa 900 Pesos pro Person, je nach Anbieter auch deutlich mehr. Achte bei der Buchung auf zertifizierte Ökotour-Anbieter, da Sian Ka’an ein empfindliches Ökosystem ist.

Wir an den Ruinen von Tulum

7. Tulum Pueblo und die Wandbilder

Niemand kommt wegen der Stadt Tulum selbst hierher, und auch wir sind nicht ihretwegen gekommen. Trotzdem hat uns ein Detail in der Stadt richtig gut gefallen: die vielen Wandgemälde, die sich beim Durchlaufen der Straßen immer wieder entdecken lassen. Für uns war das der Moment, in dem Tulum Pueblo doch noch etwas von seiner eigenen Identität zeigte.

Der Rest der Stadt wirkt dagegen wie eine Straße, die einfach gewachsen ist – für Autos gemacht, nicht für Fußgänger. Überall Baustellen, und läuft man nur ein Stück von den touristischen Hauptachsen weg, findet man schnell auch Müllberge hinter der nächsten Kurve. Das muss man wissen, um Tulum realistisch einzuschätzen.

Mural in Tulum Stadt

8. Unser Fazit: Lohnt sich Tulum?

Ehrlich gesagt ist das schwer in einem Satz zu beantworten. Die Ruinen sind toll, die Farbe des Meeres einzigartig, die Cenote Escondido eine echte Empfehlung – aber die Stadt und vor allem die Hotelzone konnten uns insgesamt nicht überzeugen. Zu touristisch, zu schnell gewachsen, zu sehr auf Profit statt auf Aufenthaltsqualität ausgelegt.

Wir wollten trotzdem einen ehrlichen Artikel über Tulum schreiben, weil der Ort nun einmal zu jeder Yucatán-Reise dazugehört und die Naturkulisse wirklich besonders ist. Unsere Empfehlung: Komm für die Ruinen, das Meer und die ruhigeren Cenoten wie Escondido – aber geh mit realistischen Erwartungen an die Stadt und die Hotelzone heran, und plane angesichts der stark gestiegenen Eintrittspreise etwas mehr Budget ein, als ältere Blogartikel vermuten lassen.


FAQ zu Tulum

Lohnt sich ein Besuch in Tulum trotz des Massentourismus?

Aus unserer Sicht ja, vor allem wegen der Ruinen und der Cenoten – die Stadt und die Hotelzone würden wir aber mit gedämpften Erwartungen angehen.

Wann ist die Algenplage (Sargassum) in Tulum am schlimmsten?

Am stärksten betroffen sind die Monate Mai bis September, besonders Juni bis August. Am geringsten ist das Risiko meist zwischen November und Februar, wobei es in den letzten Jahren auch schon zu frühen, ungewöhnlichen Algenschüben kam.

Was kostet der Eintritt zu den Ruinen von Tulum aktuell?

Insgesamt rund 515 Pesos, zusammengesetzt aus INAH-Ruinengebühr, CONAP-Nationalpark-Armband und der Gebühr für den Jaguar Park.

Cenote Escondido oder Gran Cenote – was lohnt sich mehr?

Der Gran Cenote ist bekannter, besser ausgestattet und dementsprechend voller. Cenote Escondido ist ruhiger, mit dem Fahrrad gut erreichbar und aus unserer Sicht die bessere Wahl, wenn Du Touristenmassen vermeiden willst.


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Nico & Katja


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