Essen & Trinken in Singapur

Unsere Erfahrungen mit der Landesküche

Wie schmeckt das Essen in Singapur?

Zweimal waren wir inzwischen in Singapur, einmal für vier, einmal für fünf Tage. Beide Male kurz, verglichen mit den Wochen, die wir sonst in Südostasien unterwegs sind – und beide Male ist uns eine Sache sofort aufgefallen: Singapur isst man anders, als man durch Malaysia oder Thailand reist. Nicht schlechter, aber definitiv teurer, und dadurch auch bewusster.

Wir kamen beim ersten Besuch direkt aus Malaysia, mit frischen Erinnerungen an Teh Tarik und Kaya Toast im Kopf. Beides gibt es in Singapur genauso, kein Wunder bei der gemeinsamen Geschichte der beiden Länder. Trotzdem hat sich die Küche für uns anders angefühlt, dichter irgendwie. Singapur ist klein, aber auf dieser kleinen Fläche treffen chinesische, malaiische, indische und peranakanische Einflüsse so eng aufeinander wie kaum irgendwo sonst, was wir sofort gemerkt haben.

Am meisten überzeugt haben uns die Hawker Center. Satay haben wir dort gegessen, bis wir wirklich genug hatten – vor allem bei Satay by the Bay, dem Open-Air-Food-Court direkt bei den Gardens by the Bay, wo an gefühlt zwanzig Grillständen nichts anderes gemacht wird als Fleischspieße über Kohle zu garen. Und Chicken Rice, dieses schlichte Gericht aus pochiertem Hähnchen und Reis, das in Singapur fast schon Nationalgericht-Status hat, hat uns auf Anhieb geschmeckt. Am besten gefallen haben uns aber die Nudelsuppen, die wir kreuz und quer durch verschiedene Hawker Center gegessen haben – ehrlich gesagt, ohne uns danach immer zu merken, wie die einzelnen Varianten genau hießen.

Was uns dagegen wirklich überrascht hat, waren die Preise. Ein Essen im normalen Restaurant kostet in Singapur oft ein Vielfaches von dem, was man in Malaysia oder Kambodscha für ein vergleichbares Gericht zahlt. Selbst an Hawker-Ständen, die noch immer die günstigste Möglichkeit sind, satt zu werden, merkt man den Unterschied zu den Nachbarländern deutlich. Wir haben deshalb öfter, als uns lieb war, auf Essen aus Convenience Stores zurückgegriffen – nicht aus Begeisterung, sondern schlicht, um das Budget zu schonen. Eistee und frisches Kokoswasser aus dem Family Mart wurden dadurch fast zu einem festen Ritual unserer Tage in Singapur.

In diesem Artikel nehmen wir dich mit zu den Gerichten, die wir in Singapur gegessen haben, zu den Getränken, die uns durch die Tage gebracht haben, und zu den Hawker Centern, die für uns der eigentliche Grund waren, warum uns das Essen in Singapur trotz der Preise in guter Erinnerung geblieben ist.

Essen in Singapur



Die Küche Singapurs auf einen Blick

Singapurs Küche lässt sich nicht auf eine Herkunft festlegen. Chinesische Einwanderer, vor allem aus dem Süden Chinas, malaiische Ureinwohner, tamilische und nordindische Communities sowie die Peranakan, Nachfahren früher chinesischer Siedler, die malaiische und chinesische Küche über Generationen vermischt haben, haben zusammen eine Stadtküche geschaffen, die es in dieser Dichte so kein zweites Mal gibt.

Das merkt man auch an der Stadtgeografie. In Chinatown dominieren chinesische Garküchen und Teehäuser, Little India ist geprägt von Curry-Häusern und Gewürzläden, und im malaiischen Kampong Glam findet man Nasi- und Sate-Stände neben Moscheen und kleinen Textilgeschäften. Wer durch diese Viertel läuft, merkt schnell, dass Singapur eigentlich mehrere Küchen gleichzeitig ist, die sich in den Hawker Centern dann wieder alle an einem Ort versammeln.

Apropos Hawker Center: Sie sind in Singapur kein Nischenphänomen für Touristen, sondern fester Bestandteil des Alltags. 2020 wurde die Hawker-Kultur sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, und wenn man einmal mittags durch eines dieser Center läuft, versteht man auch warum: Hunderte kleine Garküchen unter einem Dach, jede spezialisiert auf ein einziges Gericht, oft seit Jahrzehnten von derselben Familie geführt.

Feste Essenszeiten wie in Deutschland gibt es kaum. Gegessen wird, wann es passt, und durch die Hawker Center ist eigentlich rund um die Uhr etwas Warmes zu bekommen. Schärfe ist in Singapur insgesamt etwas zurückhaltender als in Malaysia oder Thailand, wobei sich das je nach Küche – vor allem bei indischen und malaiischen Ständen – deutlich unterscheiden kann.

Die typischen Gerichte Singapurs

🍗 Chicken Rice

Chicken Rice ist wahrscheinlich das Gericht, das am engsten mit Singapur verbunden wird, auch wenn seine Wurzeln in der hainanesischen Küche liegen. Zart pochiertes oder gegartes Hähnchen wird über Reis serviert, der in Hühnerbrühe und Ingwer gekocht wurde, dazu eine dünne Sojasauce, etwas Gurke und meist eine scharfe Chilisauce zum Selbstmischen. Wir haben Chicken Rice mehrfach in verschiedenen Hawker Centern gegessen und es hat uns jedes Mal geschmeckt. Es ist kein Gericht, das einen vom Hocker haut, aber genau das ist wohl auch der Punkt: schlicht, gut gemacht, und genau das Richtige, wenn man nach einem langen Tag in der Stadt einfach etwas Verlässliches essen möchte.

🍢 Satay

Satay kennen wir bereits aus Malaysia, aber in Singapur haben wir es noch einmal in einer ganz eigenen Form entdeckt: bei Satay by the Bay, einem Open-Air-Food-Court direkt an den Gardens by the Bay, an dem sich mehrere Satay-Stände aneinanderreihen und literweise Rauch über den Grills steht. Hühnchen-, Rind- und Lammspieße werden dort über Holzkohle gegrillt und mit einer süßlich-nussigen Erdnusssauce serviert, dazu Reiskuchen und rohe Zwiebeln. Wir haben dort so viel Satay gegessen, dass es zu einem der Gerichte wurde, an die wir uns aus Singapur am liebsten erinnern. Die Kombination aus der Location am Wasser, dem Rauch der Grills und den frisch vom Spieß gezogenen Fleischstücken hat uns mehr überzeugt als jedes Satay, das wir vorher irgendwo gegessen hatten.

Satay by the Bay

🍞 Kaya Toast

Kaya Toast kannten wir bereits aus Malaysia, wo es genauso zum Frühstück gehört wie in Singapur. Geröstetes Brot mit Kaya, einer Konfitüre aus Kokosmilch, Ei und Pandan, dazu kalte Butter zwischen den Scheiben und ein weichgekochtes Ei zum Dippen, in dem man den Toast anfeuchtet. In Singapur haben wir es an einigen der traditionellen Kopitiams gegessen, den alten Kaffeehäusern, die es dort genauso gibt wie in Malaysia. Geschmacklich hat sich für uns wenig verändert im Vergleich zu Malaysia, was aber auch kein Nachteil ist: Kaya Toast ist eines dieser Frühstücke, die wir uns problemlos jeden Tag vorstellen könnten.

🍜 Nudelsuppen aus den Hawker Centern

Am schwersten fällt es uns, unsere liebsten Nudelsuppen aus Singapur konkret zu benennen, weil wir ehrlich gesagt nicht mehr genau wissen, welche Variante wir wo gegessen haben. In den Hawker Centern werden Nudelsuppen unter Namen wie Laksa, Mee Soto oder Fishball Noodle Soup angeboten, meist mit dünnen Reisnudeln oder Eiernudeln, Fischbällchen und einer Brühe, die von klar und mild bis cremig-scharf reicht.

Rückblickend waren genau diese Suppen das, was uns aus den Hawker Centern am meisten begeistert hat, mehr noch als Chicken Rice oder Satay. Wenn du in Singapur bist und dir unsicher bist, was du bestellen sollst, ist eine Nudelsuppe an einem gut besuchten Stand eigentlich immer eine gute Wahl.

Typische Getränke in Singapur

☕ Teh Tarik

Teh Tarik kannten wir bereits aus Malaysia, wo der gezogene, stark gesüßte Milchtee zu unseren liebsten Getränken der Reise gehörte. In Singapur ist er genauso präsent, an Hawker-Ständen genauso wie in den traditionellen Kopitiams. Für uns war er in Singapur weniger eine Neuentdeckung als vielmehr ein vertrautes Getränk, das wir gerne wieder getrunken haben, auch wenn es uns nach Malaysia nicht mehr ganz so überrascht hat wie beim ersten Mal.

🧊 Eistee aus dem Convenience Store

Ein Getränk, das uns durch beide Aufenthalte in Singapur begleitet hat, war schlichter Eistee aus dem Kühlregal von 7-Eleven oder Family Mart. Bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit in der Stadt war das oft die einfachste Lösung zwischendurch, ohne lange nach einem Getränkestand suchen zu müssen. Nichts Aufregendes, aber ehrlich gesagt haben wir davon mehr getrunken als von jedem anderen Getränk auf der Liste hier, einfach weil er überall verfügbar und günstig war.

🥥 Frisches Kokoswasser

Fast täglich haben wir uns frisches Kokoswasser aus dem Family Mart geholt, meist direkt abgefüllt im großen gekühlten Tretrapak. Es war für uns das Getränk, das am besten zum Klima in Singapur gepasst hat: erfrischend, nicht zu süß und eine angenehme Abwechslung zum Eistee. Wer durch die Stadt läuft und eine kurze Pause von der Hitze braucht, ist mit einer frischen Kokosnuss meistens besser bedient als mit einem gesüßten Softdrink.

🍺 Weitere Getränke

Bier bekommt man in Singapur überall, meist Tiger oder andere regionale Marken, allerdings zu Preisen, die eher an europäische Städte erinnern als an Südostasien. Alkohol ist in Singapur generell teuer besteuert, was man an der Rechnung deutlich merkt.

Restaurantstipps: Hawker Center statt teurem Restaurant

Der wichtigste Tipp, den wir aus Singapur mitgenommen haben, betrifft weniger einzelne Restaurants als eine ganze Kategorie: die Hawker Center. Sie sind der Grund, warum man in einer der teuersten Städte Asiens trotzdem für wenig Geld richtig gut essen kann.

Maxwell Food Centre ist dabei eines der bekanntesten und meistbesuchten Hawker Center der Stadt, mitten in Chinatown gelegen. Dutzende Stände unter einem Dach, von Chicken Rice über Nudelsuppen bis zu Desserts, und dabei durchgängig ein Preisniveau, das man sonst in Singapur kaum noch findet. Für uns war es einer der verlässlichsten Orte, um schnell und günstig satt zu werden, ohne lange suchen zu müssen.

Lau Pa Sat, ein historisches, viktorianisches Marktgebäude mitten im Finanzdistrikt, war unser zweiter fester Anlaufpunkt. Tagsüber ein normales Hawker Center, wird abends die angrenzende Straße für Satay-Grills gesperrt, an denen dichter Rauch über den Kohlen steht und Kellner mit Speisekarten zwischen den Tischen umherlaufen. Der Kontrast zwischen den Wolkenkratzern ringsherum und dem einfachen Streetfood-Charakter direkt darunter hat uns beiden gut gefallen.

Ein paar generelle Dinge, die uns beim Essen in Singapur aufgefallen sind: Reservierungen sind an Hawker-Ständen naturgemäß nicht möglich und auch in den meisten normalen Restaurants nicht nötig, nur gehobene Adressen solltest du vorher anrufen oder online buchen. Trinkgeld ist in Singapur unüblich, in vielen Restaurants ist bereits ein Service Charge von zehn Prozent auf der Rechnung, an Hawker-Ständen gibt niemand extra Geld. Bezahlt wird zunehmend mit Karte oder per App, an den meisten Hawker-Ständen inzwischen ebenfalls, auch wenn Bargeld nach wie vor überall funktioniert.

Supermärkte & Convenience Stores

Klassisches Selbstkochen war während unserer Aufenthalte in Singapur kein Thema, dafür waren wir jeweils zu kurz dort und in Unterkünften ohne eigene Küche untergebracht. Was für uns aber eine echte Rolle gespielt hat, waren die Convenience Stores wie 7-Eleven und Family Mart, die in Singapur an praktisch jeder Ecke zu finden sind.

Dort haben wir nicht nur Eistee und Kokoswasser gekauft, sondern bei knapperem Budget auch mal ein einfaches Sandwich oder Onigiri als Zwischenmahlzeit, um nicht bei jeder Kleinigkeit gleich ins Restaurant oder Hawker Center zu müssen. Für Reisende, die in Singapur sparen wollen, sind diese Läden neben den Hawker Centern die zweite wichtige Anlaufstelle, gerade für Getränke und kleine Snacks zwischendurch.

Praktische Tipps für Essen in Singapur

  • Trinkgeld: In vielen Restaurants ist bereits ein Service Charge von zehn Prozent plus Steuer auf der Rechnung enthalten. An Hawker-Ständen wird kein Trinkgeld erwartet, zusätzliches Geld für besonders guten Service kommt aber auch nicht schlecht an.
  • Leitungswasser: Anders als in vielen Nachbarländern kannst du in Singapur Leitungswasser bedenkenlos trinken, es wird staatlich streng kontrolliert und gilt als eines der saubersten weltweit. Das war für uns nach Wochen mit abgefülltem Wasser in anderen Ländern eine angenehme Umstellung.
  • Allergien: An größeren Hawker-Ständen sprechen die Betreiber meist ausreichend Englisch, um auf Allergien hinzuweisen. Erdnüsse stecken in vielen Gerichten wie Satay, Meeresfrüchte und Fischsauce sind in der chinesischen und malaiischen Küche ebenfalls häufig vertreten.
  • Vegetarisch/Vegan: Durch die große indische Community gibt es in Little India und an vielen Hawker-Ständen rein vegetarische Currys und Reisgerichte. Auch chinesisch-buddhistische Restaurants mit veganer Küche sind in Singapur keine Seltenheit.
  • Essenszeiten: Feste Essenszeiten wie in Deutschland gibt es in Singapur kaum, durch die Hawker Center ist praktisch rund um die Uhr etwas zu essen zu bekommen.
  • Reservierungen: An Hawker-Ständen unnötig, in normalen Restaurants meist ebenfalls nicht erforderlich. Nur bei bekannten oder gehobenen Adressen lohnt sich eine Reservierung im Voraus.
  • Kartenzahlung: Karten- und App-Zahlung funktionieren in Singapur inzwischen fast überall, auch an vielen Hawker-Ständen. Etwas Bargeld für kleinere Stände oder ältere Betreiber solltest du trotzdem dabeihaben.
  • Hygiene bei Streetfood: Die Hawker Center in Singapur unterliegen strengen staatlichen Kontrollen, jeder Stand muss eine sichtbare Hygiene-Bewertung von A bis D aushängen. Uns ist während beider Aufenthalte nichts passiert, was wir auf das Essen zurückführen würden.
Mural in Chinatown

Typische Fragen zum Essen in Singapur

Was sollte man in Singapur unbedingt probieren?

Chicken Rice gilt zu Recht als eines der Gerichte, mit denen Singapur am engsten verbunden wird, und hat uns beiden gut geschmeckt. Satay, wie man es zum Beispiel bei Satay by the Bay bekommt, würden wir ebenfalls empfehlen, genauso wie eine Nudelsuppe deiner Wahl an einem gut besuchten Hawker-Stand. Kaya Toast zum Frühstück in einem der traditionellen Kopitiams rundet das Bild ab, auch wenn du es teilweise schon aus Malaysia kennen könntest.

Ist Essen in Singapur teuer?

Im Vergleich zu den Nachbarländern in Südostasien ja, deutlich. Restaurants kosten in Singapur oft ein Vielfaches von dem, was du in Malaysia, Thailand oder Kambodscha zahlst. Hawker Center bleiben aber die günstige Ausnahme und sind der Grund, warum man auch mit kleinerem Budget gut durch die Stadt kommt. Convenience Stores wie 7-Eleven oder Family Mart sind eine zusätzliche Möglichkeit, bei Getränken und kleinen Snacks zu sparen.

Kann man Streetfood und Hawker-Essen in Singapur bedenkenlos essen?

Ja, die Hawker Center in Singapur gehören zu den am strengsten kontrollierten weltweit. Jeder Stand muss eine Hygiene-Bewertung von A bis D sichtbar aushängen, sodass du dich vor der Bestellung schnell orientieren kannst. Uns ist während zweier Aufenthalte nichts passiert, was wir auf das Essen zurückführen würden, und generell gilt: Stände mit langen Schlangen und hohem Durchlauf sind eine gute Wahl.

Gibt es in Singapur vegetarische Gerichte?

Ja, vor allem durch die große indische Bevölkerungsgruppe gibt es reichlich vegetarische Currys und Reisgerichte, besonders in Little India. Auch chinesisch-buddhistische Restaurants mit rein veganer Küche findest du in mehreren Stadtteilen. An gemischten Hawker-Ständen lohnt sich trotzdem ein kurzer Blick oder eine Nachfrage, da viele Gerichte mit Fischsauce oder Garnelenpaste zubereitet werden.

Wie viel Trinkgeld ist in Singapur üblich?

In den meisten Restaurants ist bereits ein Service Charge von zehn Prozent zuzüglich Steuer auf der Rechnung enthalten, zusätzliches Trinkgeld wird deshalb nicht erwartet. An Hawker-Ständen gibt grundsätzlich niemand Trinkgeld, das würde dort auch niemand erwarten. Wenn du mit dem Essen besonders zufrieden warst, kannst du natürlich aufrunden, verpflichtend ist das aber zu keinem Zeitpunkt.

Kann man in Singapur Leitungswasser trinken?

Ja, und zwar problemlos. Singapur hat eines der zuverlässigsten Trinkwassersysteme weltweit, das Wasser wird streng kontrolliert und ist ohne Bedenken trinkbar. Du kannst dir also getrost eine Flasche mitnehmen und sie unterwegs auffüllen, statt ständig abgefülltes Wasser zu kaufen, wie es in vielen anderen Ländern Südostasiens nötig ist.


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